Kein Handel mit wilden Tieren

Auch in Deutschland wird es immer beliebter, die eigenen vier Wände mit wilden Tieren aus fernen Ländern zu schmücken. Die Zahl der Importe sogenannter „Exoten“ spricht eine deutliche Sprache. So werden laut Statistischem Bundesamt derzeit zwischen 440.000 und 840.000 lebende Reptilien pro Jahr importiert. 

Die Hauptbedrohung ist für viele Tierarten die Zerstörung ihres Lebensraums. Jedoch schwächt das Einfangen von Wildtieren für den Handel, auch Naturentnahmen genannt, zusätzlich die Bestände. Überdies können durch das mögliche Einschleppen von Krankheitserregern auch gesundheitliche Risiken für Menschen entstehen. Manche Tiere sind zudem ausschließlich auf spezielles Futter angewiesen, und andere werden viel größer und älter, als beim Kauf gedacht. So kann es zu ganz unterschiedlichen Problemen kommen, mit denen ein Privathaushalt überfordert ist und der exotische Traum schnell zum Albtraum wird. Es geht also nicht nur um den Schutz der Artenvielfalt und den Tierschutz, die beide keine besonders starke Lobby haben. Nein, es geht ebenso um den Schutz von Menschen vor möglichen gesundheitlichen Risiken durch ihre exotischen Haustiere. 

Doch die Nachfrage nach immer mehr und neuen exotischen Tierarten wächst. Das Geschäft boomt, auch in Deutschland, und es gibt mehr als einen Grund, den Wildtierhandel vernünftig zu regeln und vor allem dem illegalen Handel einen Riegel vorzuschieben. Besonders bedenklich sind Importe von Tieren, die in ihrem Herkunftsland bereits nationalen Schutzbestimmungen unterliegen, jedoch international nicht geschützt sind. Das sind großenteils Wildfänge aus der freien Natur. In Europa sind verbindliche Normen nicht nur für den Import, sondern auch für Handel, Zucht und Haltung von „Exoten“ längst überfällig. 

Diese Woche standen mit zwei Anträgen (Die Linke - 17/13713 - und SPD und Bündnis 90/Die Grünen - 17/13712 -) in zwei Ausschüssen (im Umwelt- und im Landwirtschaftsausschuss) Einschränkungen des Wildtierhandels zur Debatte und scheiterten wie üblich an der schwarz-gelben Koalition. 

Ursprünglich war ein gemeinsamer Antrag geplant und hätte auch über den Parteienproporz hinaus ein deutliches Signal setzen können. Die Abstimmung dazu verlief im Vorfeld auch ganz gut. Doch dann setzte Schwarz-Gelb zuerst uns LINKE den Stuhl vor die Tür und stieg später selber ganz aus. Das ist wieder so eine verpasste Gelegenheit zur Zusammenarbeit in Sachfragen, was im Umweltausschuss nicht wenige Abgeordnete aus allen Fraktionen bedauerten. 

Aus der CDU/CSU-Fraktion war zu hören, dass es sich um ein berechtigtes Anliegen handele, über das lange Zeit einvernehmlich mit allen Fraktionen diskutiert worden sei, und selbst aus der FDP war Bedauern zu hören. Die SPD-Fraktion bezeichnete es als „Trauerspiel“, dass kein gemeinsamer interfraktioneller Antrag zustande kam. 

Nichtsdestotrotz hätten wir der SPD und den GRÜNEN etwas mehr Courage gewünscht. Und so stimmten dann auch Bündnis 90/Die Grünen unserm LINKEN Antrag zu, der sowohl den Tierschutz als auch den Schutz der biologischen Vielfalt konsequent gegenüber dem Wildtierhandel stärken will und von der Bundesregierung fordert: 

  • sich auf EU-Ebene für ein generelles Importverbot von Wildfängen zu kommerziellen Zwecke einzusetzen,
  • gewerbliche Anbieter von Tierbörsen ausschließen und den Verkauf von Tieren verbieten, die in der freien Natur eingefangen werden und
  • den kommerzielle Handel sowie die Haltung von Wildtieren nur für Arten zu gestatten, mit denen Privatpersonen auf die Dauer nicht überfordert sind.

Ein generelles kommerzielles Handelsverbot mit freilebenden Wildtieren sollte ein Grundrecht dieser Tiere sein.

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