Die wahre Bilanz der Deutschen Bahn

Anlässlich der jährlichen Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bahn AG hat das Bündnis „Bahn für Alle“ heute morgen einen Alternativen Geschäftsbericht vorgestellt. Der Bericht analysiert, wie der Gewinn von gut 1,8 Milliarden Euro in 2010 zustande kommt und was er für den täglichen Bahnbetrieb, für die Fahrgäste und Beschäftigten bedeutet.

Vor dem Berliner Marriott-Hotel am Beisheim-Platz, in dem um 11 Uhr die Pressekonferenz der DB AG stattfindet, stellen Aktive von „Bahn für Alle“ den Tunnelblick des DB-Managements symbolisch dar:

Mit starren Blick auf die Gewinnkurve sehen sie nicht, was daneben vorgeht: brechende Achsen, heruntergekommene Schienen, Verspätungen, Zugausfälle und ein kaputtes Berliner S-Bahn-System.

 

Über siebzig Prozent des Gewinns der DB AG resultieren aus dem Nahverkehr (DB Regio) und dem Netz (DB Netz). Diese beiden Bereiche erzielen das Gros ihrer Einnahmen aus staatlichen Geldern: Regionalisierungsmitteln für den Nahverkehr sowie Bundeszuschüsse für Instandhaltung und Neubau von Strecken, addiert mehr als 7,7 Milliarden Euro. „Nimmt man nur die staatlichen Zuschüsse, die in DB Regio und DB Netz fließen, dann verwandelt sich der 2010er Jahresgewinn von 1,87 Milliarden Euro in einen Verlust von mehr als 6 Milliarden Euro“, rechnet Bernhard Knierim vom „Bündnis Bahn für Alle“ vor.

Auf der Ausgabenseite dominieren Großprojekte und Zukäufe im Ausland. Für die Rekordsumme von 2,7 Milliarden Euro hat die DB AG im August den britischen Bus- und Bahndienstleister ARRIVA aufgekauft. „Grube hat in seinen zwei Jahren als Bahnchef entgegen seiner Ankündigung die aggressive Politik von Unternehmensaufkäufen und Expansion auf Auslandsmärkten beschleunigt und verschärft. Mit Engagement in Russland, China und der Golfregion benutzt die Bundesregierung die Deutsche Bahn, um ein bisschen Weltpolitik zu spielen – und damit neue Bahnschulden anzuhäufen“, sagt Winfried Wolf von der Expertengruppe „Bürgerbahn statt Börsenbahn“.

Für Großprojekte wie Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Stuttgart/Ulm vernachlässigt die DB AG Schienen und Züge, spart beim Personal  und auch an der Sicherheit. Der ehemalige Bahnmanager Professor Karl-Dieter Bodack kritisiert an den Großbauvorhaben, „ dass die DB AG offensichtlich die Kosten der Realisierung systematisch zu niedrig ansetzt“ und „es offensichtlich für jedes Vorhaben kostengünstigere Alternativen gibt, die die DB AG ignoriert oder verwirft.“ Alternativen zu S21 und dem Neubau nach Ulm sind ein modernisierter  Kopfbahnhof sowie der Ausbau der bestehenden Strecke über Geislingen.

„Bahn für Alle“ fordert eine Konzentration der Bahn auf den inländischen Schienenverkehr und, auch als Konsequenz aus der Baden-Württembergischen Landtagswahl, einen endgültigen Stopp für den Kellerbahnhof Stuttgart 21.

Quelle: Pressemitteilung von Bahn für Alle.


Ein Video von der Aktion von Bahn für Alle zur Bilanzpressekonferenz:

Der ausführliche alternative Geschäftsbericht von „Bahn für Alle“

Fotos von der Aktion zur Pressekonferenz

 

Pressemitteilung des VCD zum Thema