Wasser, Markt und Macht

Wir drehen den Hahn auf, und es fließt Wasser – jederzeit, bestens kontrolliert und unbedenklich trinkbar. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir bequem unser wichtigstes Lebensmittel allzeit nutzen können. Ein nicht hoch genug einzuschätzender Reichtum der westlichen Welt, die damit umgeht, als sei er in endlosem Überfluss vorhanden.

Wasser ist für alle Menschen absolut lebensnotwendig, durch nichts zu ersetzen. Der Wasserbedarf wächst mit der Weltbevölkerung. Neben dem Trinkwasserbedarf steigt auch der Wasserverbrauch von Industrie und Landwirtschaft unaufhörlich. Die Süßwasservorräte der Erde werden jedoch knapper. Strategien für eine weltweit gerechte Zugangsverteilung und den sparsamen Umgang mit Wasser sind unverzichtbar. 

Auf dem UN-Weltgipfel 2002 in Südafrika vereinbarten die Regierungschefs, zum Jahr 2015 den Zugang von 80% der Weltbevölkerung zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Im Sommer 2010 erklärten die Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Wasser als Menschrecht. Laut dem, vor wenigen Tagen vorgestellten, Weltwasserbericht, ist dieses Ziel heute schon erreicht.

Trotz schöner Worte und Statistiken lebt ein Drittel der Menschheit, vor allem in den Entwicklungsländern, mit unzureichenden sanitären Einrichtungen. Das Trinkwasser ist zu einer knappen Ware geworden. Internationale Experten stehen mit Lösungsvorschlägen bereit. Und genau hier beginnt das nächste Problem. Während der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Ghali 1985 warnte, dass die Kriege der Zukunft um Wasser geführt werden, hörte sich das 15 Jahre später in dem US-Wirtschaftsmagazin FORTUNE ganz anders an: Gewinne wie mit Öl im 20. Jahrhundert, versprechen dort die Analysten für die nächsten Jahrzehnte im Geschäft mit dem Wasser, das längst vom Gemeingut zum Spekulationsobjekt geworden ist.

In Europa, auch in Deutschland, wird versucht, die kommunale Wasserversorgung weiter auszuhebeln. Immer mehr der bisher ureigensten kommunalen Aufgaben werden privatisiert. Man nennt das auch: Der Wassermarkt soll liberalisiert werden. Dabei weiß jedes Kind schon vom Monopoly-Spiel: Wer das Wasserwerk, das Gaswerk und die Bahnhöfe einheimst wird gewinnen. Die großen Konzerne wollen natürlich gewinnen und reißen schon mal die Wasserversorgung unter den Nagel. Das Wasser ist ein Markt für Milliardengeschäfte geworden. 

Ganz vorn dabei in diesem Monopoly sind deutsche, französische und britische Konzerne, von denen keiner eine Wasserversorgung aus humanitären Gründen betreibt. Kommunale Kontrolle ist kaum noch möglich, wenn die Wasserversorgung erst einmal privatisiert ist. Hinzu kommt, dass Verträge mit Wasserkonzernen als „geheim“ behandelt werden und somit keinerlei demokratische Bürgerkontrolle möglich ist. Die Berliner Wasserwerke sind schon seit einigen Jahren mit den Folgen nicht nachvollziehbarer Preissteigerungen privatisiert. Die Bevölkerung hat sich die Offenlegung der Verträge mit einem Volksbegehren mühsam erstritten. Ein erster Erfolg auf dem Weg, die Rekommunalisierung der Wasserwerke mittels Bürgerwillen durchzusetzen. 
Es ist wahrlich keine neue Erkenntnis: Konzerne versorgen nicht, weder mit Wasser, noch mit Energie, sie verkaufen mit maximalem Gewinn. Und genau daraus resultieren letztlich die steigenden Preise für die Bevölkerung. Privatisierungen bringen zudem Vorteilsnahme Einzelner, Vetternwirtschaft und Korruption mit sich. 
Wasser ist ein Gemeingut, mit dem verantwortungsvoll im Sinne des Gemeinwohls umgegangen werden muss. Nur so kann das Ziel für eine globale Wasserwirtschaft aussehen. Das allerdings bedarf tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen.

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