Geld. Macht. Meinungen. - Fracking in der EU

Im November 2012 stimmte das Europäische Parlament über zwei voneinander unabhängige Initiativberichte zum Thema Fracking ab. Obwohl beide Berichte nicht mehr als eine Meinungsäußerung des Parlaments darstellten, strömten schon bald Scharen von Lobbyisten ins Parlament und blieben für Monate. Niemand konnte ihrer penetranten Einflussnahme entkommen.

Der hohe zeitliche und finanzielle Aufwand der Firmen, ihre Interessen durch ihre Vertreter massiv in der Politik geltend zu machen hat einen guten Grund: Fracking birgt gravierende Gefahren für Mensch und Umwelt. Es unterscheidet sich erheblich von den normalen Öl- oder Gasbohrungen, wie sie seit Jahrzehnten praktiziert werden. Fracking wird angewendet, um nicht konventionelle Gasvorkommen auszubeuten. Es sind die Methode, die Technologie und die Chemikalien, die hierbei benutzt werden, um neue, mehrere Tausend Meter tief liegende Gasvorkommen auszubeuten, die riskanter als herkömmliche Gasbohrungen sind. Vor allem der Umfang der Aktivitäten sowie der Ansatz, harte Gesteinsformationen aufzusprengen, in denen das Gas lagert, sind neu. Beim Fracking werden vertikale und horizontale Schächte gebohrt. Nach dem Bohren wird ein Mix aus Wasser, Sand und meist giftigen Chemikalien unter extrem hohem Druck eingeführt. So wird das Gestein aufgesprengt und das Gas freigesetzt.

 

Neben dem hohen Druck und den beigemischten Chemikalien ist der hohe Wasserbedarf von durchschnittlich 11 Mio. Liter Wasser pro Bohrloch problematisch: Die Flüssigkeit, die zurück an die Oberfläche kommt und mit giftigen Stoffen, ggf. mit Salzen aus dem Gestein versetzt und oft auch radioaktiv ist, darf nicht vor Ort bleiben.

Aber auch unter Tage ist offen, wo sich der Wasser-Chemie-Mix überall hinbewegt, da er mit einem extrem hohen Druck unter Tage gebracht wird. Fracking hat wortwörtlich eine bombenstarke Wirkung und die enormen Mengen an verseuchtem Wasser breiten sich weitläufig aus. Auch auf dem Weg ins Bohrloch und zurück kann es austreten. Fracking ist daher eine enorme Gefahr für das Grundwasser und auch hierzu sind besorgniserregende Beobachtungen aus den USA bekannt.

Zuletzt ist die Beschaffung dieser enormen Mengen an Wasser an sich nicht vertretbar und gefährdet die Frischwasservorräte ganzer Gemeinden. In Deutschland gibt es eher keine Wasserknappheit, aber in Süd- und auch in Osteuropa sieht das oft anders aus. Es darf nicht dazu kommen, dass Bauern und Gemeinden mit kapitalstarken Gasfirmen in einen Bieterwettbewerb treten müssen wie in den USA bereits geschehen.

Geld haben die öl- und gasfördernden Firmen reichlich. Sie arbeiten mit millionenschweren Fernsehspots und spezialisierten Lobbyagenturen. Sie wirken in allen beteiligten Institutionen während des gesamten Meinungsbildungsprozesses hinein, um Fracking trotz der Gefahren vor einem Verbot zu schützen. Wenn die EU-Kommission wie vorgesehen dieses Jahr einen Gesetzesentwurf vorstellen sollte, ist eines sicher: Die Lobbyisten waren von Anfang an dabei, noch bevor sich die Abgeordneten überhaupt damit beschäftigen konnten.

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