Munition in Nord- und Ostsee


Munition und andere Kampfmittel wurden zu unterschiedlichen Zeiten in Nord- und Ostsee versenkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, bis etwa 1948, waren es über eine Million Tonnen. Aber niemand weiß genau, wie viel alte Munition in Nord- und Ostsee wirklich vor sich hin rostet. Bisher wird die
Bundesregierung ihrer Verantwortung, Mensch und Natur vor den Gefahren dieser Munitionsaltlasten zu schützen, nicht gerecht. Jedes Jahr kommt es an Deutschlands Stränden mehr als einmal zu Verletzungen, zum Beispiel durch die Verwechslung von angespülten Phosphorstücken aus korrodierter Munition mit Bernstein (Phosphor oxidiert an der Luft und entzündet sich selbst, nachdem es getrocknet ist).
Auch in diesem Jahr gab es wieder mehrere Unfälle durch den Kontakt mit der extrem giftigen Schießwolle aus Altmunition.

Es ist kein beruhigendes Gefühl, dass am Meeresboden von Nord- und Ostsee über eine Million Tonnen Altmunition und giftige Kampfstoffe liegen, die irgendwann durchgerostet sein werden. Dabei rückt dieses Irgendwann in bedrohliche Nähe, auch wenn das Gift nicht auf einen Schlag austreten wird. Aber gerade die zunehmenden Arbeiten am Meeresboden beim Bau von Windkraft- Offshore-Anlagen und Pipelines erhöhen die Gefahr des Austritts und auch die Gefährdung der vor Ort Arbeitenden. Noch sind die Standorte der Altmunition in Nord- und Ostsee nur zum Teil bekannt und nur ein geringer Teil der bekannten Munition ist vernichtet oder geborgen.

Die Suche nach Lösungen, wie wir diese Altlasten möglichst schadlos für Menschen und Meeresumwelt vernichten oder bergen können, muss dringend gelöst werden. Doch wie sieht die Realität aus? Noch heute gelangt Munition im Zusammenhang mit militärischen Schießübungen der Bundeswehr in die Ostsee. Dabei handelt es sich jährlich um etwa 4 Tonnen Übungsmunition. Diese landet dann zwar größtenteils als Metallschrott am Meeresboden, allerdings sind auch bis zu 5 Prozent Gefechtsmunition mit entsprechenden giftigen Sprengstoffen dabei.
In der Antwort auf unsere Kleine Anfrage zu Munition in Nord- und Ostsee (Drucksache 17/10795) drückt sich die Bundesregierung um konkrete Aussagen und ein strategisches Konzept Bewertungs- und Überwachungsmethoden zu entwickeln, trotz Empfehlungen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe
für die Meeresumwelt von Nord- und Ostsee (ARGE BLMP). Und die Umweltverbände kritisieren zu Recht, dass bisher noch keine Risikoanalyse für die deutschen Meeresgewässer vorliegt. Nach Aussage der Bundesregierung stehen die „technischen Möglichkeiten zur Beseitigung im Meer lagernder Kampfmittel weitestgehend zur Verfügung. Zukünftig wird es wesentlich darauf ankommen, dass rationelle, mit dem Umweltschutz gut zu vereinbarende und kostengünstige Verfahrensweisen entwickelt werden“.  Das geht ebenfalls aus der Antwort auf unsere Kleine Anfrage (17/10795) hervor. Damit sollte umgehend begonnen werden, zumal der Bundesregierung ein Projektvorschlag zur maritimen Munitionsbergung und Entsorgung vorliegt.

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