Das Meer braucht mehr

Es ist die Vielzahl der verschiedenen Einflüsse, die es dem Leben im Meer so schwer machen. Allein über die Flüsse gelangen 70% aller Schadstoffe, Düngemittel und Abwässer aus HaushaIten und Industrie ins Meer. Allgegenwärtig ist auch der Müll im Meer, hinein geweht, hinein gespült, von Schiffen verklappt oder über Bord geworfen mit teilweise verheerenden Folgen für die Meerestiere. 

Am Meeresboden rosten Schiffswracks und jede Menge Altmunition vor sich hin, bis auch ihre Schadstoffe und Gifte austreten. Hinzu kommt das Öl aus havarierten Tankern oder Bohrinseln. Selbst wenn es mit Hilfe von Chemikalien verklumpt wird, damit es auf den Meeresboden sinkt und nicht an die Küsten geschwemmt wird (nichts anderes bedeutet die Bekämpfung einer sogenannten „Ölpest“ nämlich), ist es immer noch da. Ein großer Teil des Öls im Meer stammt allerdings aus Tankspülungen und Ballastwasser der Schiffe.

Der Schiffsverkehr nimmt kontinuierlich zu, 75% des europäischen Welthandels erfolgt über das Meer. Folglich werden die Schiffe immer größer und damit auch die Belastung des Meeres als Lebensraum.

Ein Beispiel: Im Juli brach auf einem 289 Meter langen Frachter unter deutscher Flagge ein Brand aus. Bei den Löschversuchen kam es zu einer Explosion, ein Mensch kam dabei ums Leben und ein zweites Mitglied der Besatzung wird seither vermisst. Der Frachter und ein Teil seiner Ladung wurden erheblich beschädigt. Erst vor wenigen Tagen nun erreichte er den Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven. Was war passiert? Der Frachter hatte knapp 2 900 Container an Bord, mindestens 151 davon mit Gefahrgütern, von denen 100 beschädigt wurden. Die Reederei gab nicht bekannt, um welche Gefahrgüter es sich handelt. Das mag auch der Grund dafür sein, dass der Frachter wochenlang auf dem Nordatlantik dümpelte und weder in Frankreich noch in Großbritannien in einen Hafen einlaufen durfte, um eine mögliche Gefährdung von Mensch und Umwelt zu vermeiden. Nach dem europäischen Havarie-Notfallkonzept hätten die Anrainerstaaten dem Frachter einen Nothafen anbieten müssen. Wahrscheinlich ist das nicht geschehen, weil keines der Länder das Risiko einer weiteren Umweltkatastrophe vor der eigenen Küste auf sich nehmen wollte.

Das Meer braucht mehr Schutz, nicht nur vor Überdüngung mit Nährstoffen und Vergiftung durch Schadstoffe über unsere Flüsse und nicht nur vor den Altlasten am Meeresboden. Von der Ausbeutung des Lebens im Meer durch maßlosen Fischfang habe ich noch gar nicht gesprochen.

Das Meer braucht mehr Schutz vor den Auswirkungen des Schiffsverkehrs. Es gibt weltweit verbindliche Regelwerke für Schifffahrtsfragen. Was zudem dringend benötigt wird ist ein ebenso weltweit verbindliches Regelwerk der Schifffahrt zum Schutz des Meeres.

Wenn sich die Welt in diesem Herbst zu ihrer 11. Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die Biologische Vielfalt in Hyderabad (Indien) trifft, wird der umfassenden Schutz der Meere und Küstenlandschaften das Hauptthema sein und wohl auch die Schifffahrt in ihre Überlegungen einbeziehen.

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