Wie das Märchen von der beherrschbaren Agro-Gentechnik zum Alptraum wird

Illegaler Gentech-Raps in Brandenburg

Ende Oktober 2015 kam aus Großbritannien die Warnung vor Verunreinigungen in Winterrapssaatgut (Sorte HRC918) durch einen in der EU nicht zugelassenen Gentech-Raps an die in Deutschland zuständige Behörde, das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Zwar informierte das BVL umgehend die zuständigen Behörden in den Bundesländern. Aber der Öffentlichkeit blieb ahnungslos. Erst nachdem eine Nichtregierungsorganisation via Umweltinformationsgesetz (UIG) nachbohrte, gab das BVL eine Pressemitteilung raus. Da schrieb man schon den 4. Dezember 2015.

 

Im Agrar-Ausschuss am 16. Dezember hakte DIE LINKE nach und wollte von der Bundesregierung wissen, warum ihre Behörden so wenig auskunftsfreudig sind und welche Schlussfolgerungen aus diesem Vorgang gezogen werden.

Erstaunlicherweise schien die die Bundesregierung die Anfrage nach UIG gar nicht zu kennen. Nicht nur die Öffentlichkeit sondern auch zwischen Bundesbehörde und Bundesministerium stockte der Informationsfluss.

Dabei geht es um ein höchstsensibles Thema!

Die Agro-Gentechnik ist eine breit abgelehnte und riskante Technologie. Gerade weil ihre Produkte vermehrungsfähig sind, muss bei Verunreinigungen schnell gehandelt werden. Besonders beim Raps müssen in solchen Fällen die Pflanzen vor der Blüte vernichtet werden. Denn Pollen und Samen breiten sich sehr leicht aus. Zudem hat Raps hat viele einheimische Wildverwandte, mit denen er sich auskreuzen kann.

Das schnelle Handeln der Bundesländer hat möglicherweise dieses Mal Schlimmeres verhindert.

Aber dass Saatgutversuche an zehn Standorten in acht Bundesländern betroffen waren, zeigt das strukturelle Risiko und wirft Fragen auf.

Wie kann ein Gentech-Raps, der nur in Japan und in Kanada angebaut werden darf, Saatgut in Frankreich verunreinigen, ohne dass das bemerkt wird? Saatgut gehört immerhin zu den sehr intensiv überwachten Agrargütern, im Gegensatz zur Futter- oder Lebensmitteln. Wieso gelangt dieses verunreinigte Saatgut in viele EU-Mitgliedstaaten, und nur in England wird die Kontamination entdeckt? Und auch das erst Wochen nach der Aussaat im August! Und das im Rahmen einer Saatgutprüfung – hier sind die Kontrollstandards sehr viel höher als bei der Routineverwendung von Saatgut! Dabei geht es um eine Gentech-Rapslinie, die nicht einmal in der gentechnikgläubigen USA zum Anbei zugelassen ist!

Nicht zuletzt beweist auch dieser Zwischenfall das hohe Risiko für die gentechnik-freie Landwirtschaft.

Aus Sicht der Linksfraktion müssen daraus Schlussfolgerungen gezogen werden. Z. B. müssen die Kontrollverfahren auf Risikolücken überprüft, die Öffentlichkeit über das Behördenhandeln sofort und umfassend informiert und die kontaminierten Standorte weiter überwacht werden.

Auch dieser Vorfall bestätigt dass es richtig ist, dass die Linksfraktion für ein gentechnikfreies Europa streitet.

Weitere Infos erhalten Sie auf den Seiten des Informationsdienst Gentechnik.

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