Mit dem Essen spielt man nicht! – Eine kritische Bewertung der Agro-Gentechnik.

Über die Agro-Gentechnik wird kontrovers diskutiert. Die internationale Pharma- und Agrarbusiness-Branche lobpreist sie als Lösung nahezu aller Menschheitsprobleme: Das Welthungerproblem würde gelöst, aus Biomasse könnte mehr Energie gewonnen werden und Halbwüsten würden fruchtbares Ackerland. Weniger Pestizide müssten eingesetzt werden, die Lebensmittel würden gesünder. Bei solchen Heilsversprechen aus Konzernetagen wird man als Linke misstrauisch und in der Tat: die Realität sieht anders aus. Die Agro-Gentechnik bringt den Saatgutmulties Rekordgewinne auf Kosten der gentechnikfrei produzierenden Landwirtschaft und Imkerei. Dafür nehmen sie ökologische und gesundheitliche Risiken in Kauf:

  • Gefahr der unkontrollierten Verschleppung manipulierter Gen-Sequenzen

o   Gentechnisch veränderte Pflanzen können sich z. B. über Auskreuzung unkontrolliert ausbreiten, wenn natürliche Kreuzungspartner vorhanden sind. In Deutschland ist dieses Risiko vor allem beim Raps besonders hoch.

o   Wenn die neuen Gen-Sequenzen der Pflanze einen Standortvorteil verschaffen, ist ihre Rückholung nicht mehr möglich.

o   Gentechnisch veränderte Pflanzen können sich unkontrolliert in konventionelle Ackerkulturen auskreuzen. In Kanada gibt es deshalb z. B. keinen gentechnikfreien Raps mehr.

o   Auch bei Ernte, Lagerung, Verarbeitung oder Handel kann es zu Verunreinigungen kommen. Damit wird die gentechnikfreie Landwirtschaft doppelt bestraft. 1. ihre Ernte wird durch die Verunreinigung wertgemindert. 2. sie muss die Kosten zur Vermeidung von Verunreinigungen oder für den Nachweis der Reinheit ihrer Produkte selbst tragen.

  • Gefahr von so genannten Superunkräutern: sie entstehen, wenn die Resistenz-Eigenschaften der gentechnisch veränderten Pflanze gegen Pflanzenschutzmittel auf andere Unkräuter übertragen werden.
  • Negative Auswirkungen auf das Bodenleben: z. B. durch Bodenanreicherung des Giftes, welches vom gentechnisch veränderten Mais produziert wird.

Die Vielzahl nicht kontrollierbarer Umwelt- und Landwirtschaftsrisiken zeigt, dass die so genannte Koexistenz, das friedliche Nebeneinander von gentechnisch veränderten und gentechnikfreien Pflanzen, Imkerei und Umwelt, auf Dauer nicht möglich ist.

Die Agro-Gentechnik ist auch ein Risiko für Menschen und Nutztiere. Niemand weiß genau, welche Auswirkungen der Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen hat. Es wird blind ein neues (meist artfremdes) Gen eingebaut. Die Auswirkungen dieser Veränderung des Erbgutes auf die nach diesem Code produzierten Eiweiße sind unklar. Im Zulassungsverfahren aber fehlen sowohl für Lebensmittel als auch für Futtermittel unabhängige Langzeituntersuchungen zu gesundheitlichen Risiken, die aus Vorsorgegründen unverzichtbar sind.

Neben diesen Risiken für Mensch, Landwirtschaft und Umwelt gibt es noch ein viel grundsätzlicheres Problem. Es entsteht ein Risiko für die Unabhängigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe und für die Demokratie. Nicht durch die Technologie selbst, sondern durch die Konzerne, die ihre Machtinteressen mit Hilfe der Agro-Gentechnik durchsetzen. Zusammen mit dem Patentrecht ist sie ein Angriff auf die Selbstbestimmung der landwirtschaftlichen Betriebe. Das ist das eigentliche Ziel der Konzernstrategen, wie die Realität zeigt.

Weltweit wurden 2007 auf über 114 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Sieben von zehn transgenen Pflanzen schützen sich gegen Pflanzenschutzmittel (Herbizidresistenz). Sie ermöglichen den Einsatz von so genannten Totalherbiziden. Das bedeutet, dass alle Pflanzen auf dem Acker außer der gentechnisch veränderten Pflanze vernichtet werden. So kassieren die Saatgutkonzerne doppelt ab: für die patentierten transgenen Pflanzen und für das dazugehörige Pflanzenschutzmittel. Mit diesem Koppelgeschäft wird Geld verdient, nicht mit salz- und dürreresistenten Pflanzen für arme Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die sich das durch hohe Entwicklungskosten sehr teure Saatgut sowieso nicht leisten können.

Agro-Gentechnik bedeutet für die Saatgutmultis Macht und den Zugriff auf Ressourcen. Wer die Nahrungsmittelproduktion kontrolliert, hat die größte vorstellbare Macht zur Profitmaximierung. Das internationale Patentrecht sichert ein lukratives Milliardenspiel für die Pharma- und Agroindustrie. Die Zeche zahlen andere.

Die internationalen Erfahrungen zeigen, dass die Agro-Gentechnik eine Industrialisierung der Landwirtschaft befördert. Konzentration von Bodeneigentum, Vernichtung von Arbeitsplätzen, weniger Vielfalt der Ackerkulturen und eintönigere Landschaftsbilder sind die fatalen Folgen. In diesem Casino spielen gesellschaftliche Interessen keine Rolle. Landwirtschaftliche Betriebe geraten weltweit in ruinöse Abhängigkeiten und werden zu Tributzahlern. Die Agro-Gentechnik beschleunigt diesen Prozess. Statt des versprochenen Reichtums wird Zwietracht in den Dörfern gesät und die Armut vergrößert.

In Deutschland steht eine gesellschaftliche Mehrheit kritisch bis klar ablehnend zur Agro-Gentechnik. Trotzdem werden Millionen Forschungsgelder zur Verfügung gestellt. Für eine unabhängige Sicherheitsforschung wären sie bitter nötig und berechtigt, aber für Produktentwicklung in Konzerninteressen sollten Steuergelder nicht ausgegeben werden. Dabei geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um gesetzliche Rahmenbedingungen zum Schutz gesellschaftlicher Interessen. Aber das deutsche Gentechnikgesetz wurde Anfang 2008 durch die schwarz-rote Koalitionsmehrheit im Bundestag gegen die Interessen der gentechnikfreien Landwirtschaft und der Imkerei geändert – gegen die Stimmen der LINKEN, die die Schutzinteressen der gentechnikfreien Landwirtschaft und Imkerei sowie der Verbraucherinnen und Verbraucher vertritt. Wir gehen dabei einen konsequent basisdemokratischen Weg. Wir wollen, dass sich Regionen rechtsverbindlich als gentechnikfrei erklären können.

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