20. Geburtstag von Natura 2000 – ist Europas Naturschutz aus den Kinderschuhen?

Die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, bekannt als FFH-Richtlinie, hatte vor wenigen Tagen Geburtstag. Die Idee vor 20 Jahren war, ein EU-weites Netzwerk, namens Natura 2000, zum Schutz bedrohter Arten und Lebensräume zu schaffen. Damit wollten die EU-Mitgliedstaaten ihre Verantwortung und ihre Verpflichtungen zum Schutz der biologischen Vielfalt nach der internationalen Biodiversitätsvereinbarung von Rio 1992 einlösen.
Für den Schutz wildlebender Arten und natürlicher Lebensräume braucht man Fläche, und wenn es um Schutzgebiete geht, stehen Konflikte auf der Tagesordnung. Zu unterschiedlich sind oft die aufeinandertreffenden Interessen. Jedoch der Schutz steht bei Natura 2000 an erster Stelle, und danach richtet sich, welche Interessen bevorteilt werden und welche sich nicht durchsetzen können. Im Idealfall sollte das jedenfalls so sein. Bei der Ausweisung der Natura-2000-Gebiete gab es viele Konflikte und dem entsprechend schwer hatte es die FFH-Richtlinie in den ersten Jahren. Es lässt sich sagen: Natura 2000 hatte keine leichte Kindheit.

Trotzdem ist die FFH-Richtlinie das Instrument, mit dem allein in Deutschland 91 verschiedene Lebensraumtypen und 282 Tier- und Pflanzenarten unter Schutz gestellt wurden. Das bedeutet, rund 14% der Landesfläche und 31% der Meeresfläche unseres Landes sind Natura-2000-Gebiete.

Auch wenn das globale Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 aufzuhalten, mehr als verfehlt wurde, ist der Aufbau des Natura-2000-Netzwerks ein Erfolg, und sowohl für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Europa, als auch weltweit unverzichtbar. So ist das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 auf etwa einem Fünftel der Fläche der Europäischen Union angewachsen. Für die ökologisch intakten Gebiete von hohem Naturschutzwert und einer guten Artenausstattung, besteht laut FFH-Richtlinie rechtlich verbindlich ein Verschlechterungsverbot. Die Realität sieht oft anders aus und Natura 2000 ist auch nach zwanzig Jahren immer noch nicht erwachsen, ganz im Gegenteil: Derzeit sind in besonderem Maße Fürsorge und strenge Aufsicht notwendig, damit das, ins Jahr 2020 verschobene Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, wirklich eine Chance hat. Trotz Ausweisung sind bislang viele Gebiete noch gefährdet, weil EU-Recht nicht korrekt angewendet wird, sei es bei Baumaßnahmen oder der Intensivierung von Land- und Forstwirtschaft. Die EU-Länder stehen in der Pflicht, den Schutz der Natura-2000-Gebiete zu gewährleisten. Was getan werden muss ist für jeden geschützten Lebensraum und für jede geschützte Art bekannt. In Deutschland sind jedoch nur etwa 20 % der untersuchten Arten und 25 % der zu schützenden Lebensraumtypen in einem guten Zustand. Vor allem bei intensiver Grünlandnutzung, sowie im Wald und in Feuchtgebieten gibt es häufig Probleme. das beginnt schon bei Mängeln in den Schutzgebietsverordnungen und Managementplänen. Hinzu kommen finanzielle Engpässe bei der Umsetzung von Schutz- und Pflegemaßnahmen, bis hin zu Defiziten bei den Daten zur Bewertung des Erhaltungszustandes. Auch das öffentliche Bewusstsein für Natura 2000 ist, gemessen an seiner Bedeutung, viel zu gering.

Folglich ist jetzt die Politik gefragt. Jedoch diese tut sich oft schwer. Zu viele Begehrlichkeiten locken mit Versprechungen aller Art von Wirtschaftswachstum und falsch verstandenem Reichtum, die manchmal auch in einem ökologischen Mäntelchen daherkommen. Zum Beispiel, wenn es um den Ausbau der erneuerbaren Energien geht. Es kommt jedoch auf den politischen Willen und das Augenmaß an, um Anspruch und Erfordernis  an unsere natürlichen Lebensgrundlagen gut auszubalancieren. Einfacher ist die Welt auf Dauer nicht zu haben.

Natura 2000 muss raus aus den Kinderschuhen und hat als Instrument alle gute Anlagen die biologische Vielfalt für künftige Generationen zu sichern.
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

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