Der Deutsche Naturschutztag – ein zahnloser Tiger

Vom 18. bis 21. September reisten aus ganz Deutschland Vertreterinnen und Vertreter von Naturschutzbehörden, der Wissenschaft und Umweltverbände nach Erfurt, um sich über den Naturschutz in Zeiten der Energiewende auszutauschen. 

In den einzelnen Fachveranstaltungen wurden die unterschiedlichen Auswirkungen der verschiedenen Formen Erneuerbarer Energiegewinnung auf die natürlichen Lebensräume und unsere Kulturlandschaft beleuchtet und beraten: Wind- und Wasserkraft, Energiepflanzenanbau auf den Feldern, der Wald mit seinem Rohstoff Holz. Es geht immer um den Spagat zwischen der Nutzung und dem Schutz der Natur, darin waren sich auf dem Deutschen Naturschutztag alle einig. Bei der Frage, wo dabei die Prioritäten liegen müssen, gingen die Meinungen sowohl auf dem Podium als auch im Plenum dann aber doch auseinander.

Das große, aktuelle Thema – Erneuerbare Energien – berührt nahezu alle Lebensbereiche. Die Ethikkommission der Bundesregierung betont in diesem Zusammenhang die Verantwortung von Politik und Wirtschaft beim Umbau der Energiestrukturen. Auch für kommende Generationen muss die Stromversorgung und eine faire gesellschaftliche Verteilung möglicher Lasten und Risiken gesichert werden. Die Ressource Natürlicher Lebensraum ist dabei in ihrer Belastbarkeit genauso begrenzt, wie Kohle, Öl und Gas endlich sind. Zudem werde die technische Machbarkeit vielleicht auch überschätzt.

 

Wie also das eine tun ohne das andere zu lassen? Im Augenblick scheint das manchmal schier unmöglich, wenn nicht eingestanden wird, dass diese neue gesellschaftliche Herausforderung gewaltig an einigen Grundpfeilern des kapitalistischen Systems kratzt.
Die Energieversorgung gehört zur Daseinsvorsorge und ist somit eine staatliche Aufgabe. Das Schlüsselwort ist hierbei Versorgung mit und nicht der Verkauf von Energie mit dem Ziel der Gewinnmaximierung.

 

Die ENERGIEZUKUNFT wird ERNEUERBAR sein, jedoch auf der Grundlage von ENERGIEEINSPARUNG und EFFIZIENZ. Aufgabe der Politik ist es dabei, jetzt die Weichen in Forschung und Wirtschaftsförderung genau in diese Richtung zu stellen.

 

Der Entwurf eines gemeinsamen Positionspapiers als Ergebnis des Erfurter Deutschen Naturschutztages 2012 fiel in der Diskussion als Diplomatiepapier, dass es allen Seiten recht machen will, durch. Was fehlt ist das klare Bekenntnis zur Energiewende mit der Forderung nach dezentralen Strukturen und der absoluten Priorität von Energieeffizienz. Nur dadurch kann eine dringend notwendigen Energieeinsparung erreicht werden. Zur Mitarbeit aufgerufen, wurden eine ganze Anzahl Vorschläge diskutiert oder auch schriftlich eingereicht. Nur schade, dass sich davon kaum etwas in den„ Erfurter Positionen“ wiederfindet und somit die Abschlusserklärung ein zahnloser Tiger geblieben ist.

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