Kampf um den Wald von Chimki!

Der Chimki-Wald ist ein 1500 ha großes Waldgebiet und Teil des Grüngürtels um die Metropole Moskau, die unter extremer Luftverschmutzung leidet. „Der Eichenwald ist einer der wenigen Orte an denen man in Moskau noch durchatmen kann“, so die Sprecherin der Waldschützer von Chimki, Jewgenija Tschirikowa.
Als russische Behörden 2006 die Genehmigung für den Autobahnbau zwischen Moskau und St. Petersburg mitten durch den Wald von Chimki erteilten, begann der Widerstand von Umweltschützern. Denn der Verlauf der Autobahn ist nicht alternativlos und die anderen Alternativen wären sowohl aus ökologischer als auch aus verkehrsplanerischer Sicht sich zu bevorzugen. Zudem verbietet das russische Waldgesetz die Rodung von Wäldern zum Bau von Straßen, wenn es Alternativen dafür gibt. Dieses Problem löste Putin jedoch mit einer Verordnung, die 145 Hektar des Waldparks von Chimki in die „Kategorie von Industrieböden […] für den Bau von Autobahnen“ überführte. Der Grund für die Wahl dieser Trasse ist Geld – denn das Land in unmittelbarer Nähe des Moskauer Flughafens ist für Investoren sehr interessant. Und um dieses Land zu erschließen, brauch es erst einmal eine Straße …

Der Kampf der Umweltschützer von Chimki ist schwer. Immer wieder gibt es Überfälle auf Gegner des Autobahnprojektes. Das traurige Ergebnis ist ein toter Journalist und viele zum Teil schwer und dauerhaft verletzte Aktivisten. Die Angreifer sind Unbekannte, von der Miliz oder Rechte, die der Auftragnehmer für den Straßenbau zugegebenermaßen angeheuert hat. Doch die Umweltschützer geben nicht auf, organisieren Mahnwachen, Waldcamps und Demonstrationen, sammeln Unterschriften und streiten vor Gerichten über die Rodungen. Sensibilisiert durch den wochenlangen Smog im Sommer 2010 solidarisierten sich immer mehr Menschen mit den  Waldschützern von Chimki. Und mittlerweile gehören der Protestbewegung neben den örtlichen Umweltschützern und Anwohner auch  der WWF, Greenpeace, Antifaschisten, die „Linke Front“, russische Prominenz und die liberale „Jabloko“-Partei an.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie die Weltbank haben ihre Unterstützung zur Finanzierung des Autobahnprojektes auf Druck der Umweltinitiative von Chimki zurückgezogen. Als Investor des Projektes ist der französische Konzern VINCI geblieben. Doch dieser reagiert nicht auf die von den Umweltschützern gesammelten 20.000 Unterschriften und auch nicht auf ein unabhängiges Gutachten mit mehren Alternativrouten, welches die Umweltschützer in Auftrag gegeben haben.

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