Tag des Waldes – Bundesregierung auf dem Holzweg

Am Montag war der „Tag des Waldes“. Jahrestage sollen Vergessenes wieder in Erinnerung rufen. Wir haben kurz inne gehalten, die aktuelle Situation analysiert und weitere Schritte zur Verbesserung geplant. Wir schon – die Bundesregierung anscheinend nicht.

Für den „Tag des Waldes“ war schon vor langer Zeit die Präsentation der „Waldstrategie 2020“ angekündigt. Sie sollte der deutsche Beitrag zum „Internationalen Jahr der Wälder“ sein, das die UN für das Jahr 2011 ausgerufen haben. Doch was ist passiert? Nichts.

Seit drei Jahren hat die Bundesregierung einen intensiven Dialog zur „Waldstrategie 2020“ organisiert. Drei Fachveranstaltungen wurden durchgeführt. FörsterInnen, JägerInnen, Holzwirtschaft und NaturschützerInnen waren eingebunden. Bei den wachsenden Anforderungen der Gesellschaft an unsere Wälder waren die Zielkonflikte schnell beschrieben. Die einen wollen naturnahe Waldentwicklung ohne Kettensägen. Andere möglichst viel Holzproduktion als Ersatz für Atom- und Kohlestrom oder zum Häuserbau. Wieder andere wollen das Klima schützen, sich im Wald erholen und spazieren gehen, Pilze suchen oder jagen. Das alles auch im Interesse nachfolgender Generationen unter einen Hut zu bekommen, ist eine ebenso große Herausforderung wie politisch dringlich.

Trotz des großen Handlungsdruckes konnte die Bundesregierung nach drei Jahren kein Ergebnis vorlegen. Zwischen Agrar- und Umweltministerium gibt es erbitterten Streit. Unter  anderem über die Verbindung der Waldstrategie mit den Zielen der bereits beschlossenen drei fachlich relevanten Strategien (Biologische Vielfalt, Nachhaltigkeit, Biomasse) und mit der Charta für Holz. Staatssekretär Müller musste am Mittwoch im Agrarausschuss den Offenbarungseid leisten und zugeben, dass die Lösung der regierungsinternen Blockade völlig offen ist.

DIE LINKE teilt die Kritik vieler Forstleute und UmweltschützerInnen an den sozial und ökologisch unausgewogenen Entwürfen zur Waldstrategie. Wir fordern, diese Kritik zügig aufzugreifen und schnellstmöglich eine zukunftsfähige Waldstrategie 2020 vorzulegen. Diese muss ökologische, soziale und ökonomische Anforderungen an den Wald zusammenbringen. Ein guter Kompromiss kann nicht einseitig auf die Holzwirtschaft zugeschnitten sein. Am dringendsten brauchen wir fair bezahlte und gut ausgebildete Forstleute, angepasste Wilddichten und einen konsequenten Waldumbau.

Das Konzept der Nachhaltigkeit wurde vor 300 Jahren durch Forstleute entwickelt. Im Umgang mit den wachsenden Interessen der Gesellschaft am Wald brauchen wir einen klaren gesellschaftlichen Konsens und eine konsequent abgeleitete politische Handlungsstrategie. Dafür muss die Bundesregierung sorgen. Tut sie es nicht, bleibt sie auf dem Holzweg.

Die Pressemitteilung "Scheitern des Waldstrategie hausgemacht" von Dr. Kirsten Tackmann vom 21.03.2011 finden Sie hier.

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