Krimi Weltnaturerbe

Grumsiner Forst, Foto: RehmerDie Entscheidung, ob die deutschen Buchenwälder zum Weltnaturerbe erklärt werden oder nicht, gestaltete sich am vergangenen Wochenende als echter Krimi. In Paris tagte am 24. Und 25. Juni das Welterbekomitee der UNESCO und hatte über die vorliegenden Anträge zur Aufnahme verschiedener Stätten in die Welterbeliste zu befinden. Einer davon war der Antrag „Deutsche Buchenwälder“ mit den Teilgebieten Nationalpark Jasmund, Nationalpark Müritz (beide Mecklenburg-Vorpommern), Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

(Brandenburg), Nationalpark Hainich (Thüringen) und Kellerwald (Hessen). Jahrelang wurde der Antrag vorbereitet, unter der Leitung des Bundesumweltministeriums arbeiteten daran viele Experten.

 

„Vor allen Dingen die Akzeptanzgewinnung in den jeweiligen Regionen war sehr wichtig“ erklärt Michael Egidius Luthardt, der jahrelang das Projekt in Brandenburg voran getrieben hat. „Besonders in den Gemeinden rund um den Grumsiner Forst gab zum Anfang wenig Gegenliebe. In vielen Veranstaltungen habe ich versucht, den Bürgerinnen und Bürgern die Vorteile dieser Nominierung klar zu machen.“ Etwa vor einem Jahr wendete sich das Blatt. Seit dieser Zeit gibt es besonders in den Dörfern Altkünkendorf, Schmargendorf und Ziethen große Unterstützung. Nicht zuletzt durch den damit sicherlich zunehmenden Naturtourismus versprechen sich viele Menschen Gewinn in dieser strukturschwachen Region.

„Ich stand ab Freitagvormittag ständig mit der Delegation Deutschlands in Paris in Kontakt“ berichtet Luthardt. Die Zuversicht war durch das Votum der Gutachter gedämpft, die dem Komitee vorgeschlagen hatten, den Antrag zurück zu stellen und ein europäisches Netz von Buchenwäldern zu schaffen. „Es kam die Nachricht, dass unser Antrag der letzte auf der Tagesordnung ist. Am Nachmittag erhielt ich keine Nachrichten mehr und am frühen Abend ging ich davon aus, dass dies kein gutes Zeichen ist.“ Spät abends dann die Mitteilung, dass das Komitee formell dem Antrag zugestimmt hatte, jedoch noch keinen Beschluss gefasst und sich auf Samstag vertagt hat. Besonders Russland, Estland und Bulgarien haben den deutschen Antrag unterstützt. „Das war eine sehr unruhige Nacht für mich, denn bis zum Morgen könnten sich vielleicht doch die Meinungen noch ändern“ sagt Luthardt.

Dann am Samstag um 10:30 Uhr eine kurze SMS: „Wir sind Weltnaturerbe“

„Erst sehr langsam löste sich meine Anspannung“ schildert Michael Egidius Luthardt. „So richtig glücklich war ich, als ich den Ortsvorsteher von Altkünkendorf anrief. Er lies mich gar nicht erst zu Wort kommen und erzählte, dass er um 12 Uhr die Kirchenglocken läuten lies und daraufhin sich viele Dorfbewohner trafen und mit Sekt auf den Erfolg anstießen.“ Die Arbeit wird jetzt erst beginnen, besonders ein Besucherlenkungssystem muss geschaffen werden. Doch jetzt wird erst einmal gefeiert!


Sabine Stüber, Mitglied im Umweltausschuss des Bundestages, äußert sich in einer Pressemitteilung zu diesem erfolgreichen Sonntag für die biologische Vielfalt.

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