Fünf Fragen an Eva Bulling-Schröter

Eva Bulling Schroeter kl1.  Warum ist die ökologische auch immer eine soziale bzw. Gerechtigkeits-Frage?

Global betrachtet, liegt bei der Klimaerwärmung die historische Verantwortung bei den Industrieländern, die südlichen Länder sind aber stärker z.B. durch Überflutungen oder Dürren betroffen. Sparsam mit knappen Ressourcen umzugehen und die Fossilen im Boden lassen, ist daher unsere Pflicht. Blicke ich auf Deutschland, ist es notwendig, dass wir die Kosten von Energiewende und Strukturwandel gerecht aufteilen. Dabei müssen – wie beim Atom- und Kohleausstieg – die Verursacher herangezogen und die Beschäftigten sowie Ärmeren aufgefangen werden. Sonst ist das Projekt der Energiewende insgesamt gefährdet, weil die Akzeptanz schwindet.

2.  Welche Strukturen müssen sich verändern, damit ökologische Lebensweisen für alle möglich werden?

Falsche Nahrungsmittelproduktion, fossil-atomare Energiekonzernmacht oder abgeholzte Wälder für Palmölplantagen, um sinnloses Verkehrswachstum zu ermöglichen, sind nur einige drastische Beispiele für das Versagen unseres globalen kapitalistischen Wirtschaftssystems.
Wachstums- und Konsumzwang verursachen grundsätzliche Probleme. Wir sollten uns von dem Zwang zum immer mehr, immer größer usw. befreien und ein gutes, sogar besseres Leben entwerfen. Was die Energiewende betrifft, macht die Bundesregierung derzeit alles falsch: Sie bremst Hand in Hand mit den Kohlekonzernen die Energiewende aus und setzt bei den Erneuerbaren strukturell auf Marktkonzentration statt Diversifizierung. DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass die Bereiche der Daseinsvorsorge wie der Energiesektor in öffentliche oder genossenschaftlich organisierte Hände überführt werden, inklusive demokratischer Kontrolle in Form von Mitspracherechten.

3.  Was sind die „harten Brocken“ für die linke Politik, denen sie sich stellen muss?

In der LINKEN wird noch zu wenig der enge Zusammenhang von Ökologie und sozialer Gerechtigkeit durchdrungen. Es sind zwei Seiten einer Medaille.
Das ist das eine. Das andere ist, die längerfristigen Zusammenhänge und die Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen und nicht nur auf Wahlen und Wählbarkeit zu blicken. Wir müssen den Menschen begreiflich machen, dass sich vieles ändern muss und zwar bald und rasch. Das sind unangenehme Wahrheiten, die auch wir LINKE nicht immer gerne aussprechen. Aber ich bin überzeugt, je früher und je ehrlicher man hier den Dialog mit den Menschen sucht, umso sozial verträglicher kann der ohnehin anstehende Strukturwandel gestaltet werden.

4.  Erwerb/Muße/Sorgearbeit: Welchen Mix brauchen wir, um die Gesellschaft nachhaltig umzugestalten?

Eine andere Gesellschaft braucht eine Umverteilung des Reichtums und eine andere Bewertung von Arbeit. Dazu gehört eine gute Entlohnung auch und gerade in der Dienstleistung und eine Grundsicherung um den Niedriglohnsektor endlich auszutrocknen. Für mich muss die Diskussion um eine Arbeitszeitverkürzung wieder in Gang kommen, denn um ökologischer zu leben, brauchen wir auch mehr Zeit, z.B. für Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Stichwort Entschleunigung muss in Zukunft auch bei uns Linken eine Rolle spielen genauso wie der Begriff Life-Work-Balance. Klar ist, dass wir viel mehr Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich wie Bildung, Pflege, Krankenhaus und Betreuung brauchen und diese finanziert werden müssen. Allerdings irgendwoher muss das Geld kommen und das heißt, wir brauchen nach wie vor neben Dienstleistungen auch Wertschöpfung in der Produktion von Gütern. Diese müssen nachhaltig produziert werden und der Gedanke der Kreislaufwirtschaft ohne neue Rohstoffe muss Fuß fassen.

5.  Was machen Sie schon oder haben sich vorgenommen, um Ihren eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern?

Ich besitze ein Auto (mit wenig CO2 Ausstoß), denn sonst könnte ich viele Termine in Bayern nicht wahrnehmen, genauso wie ich es nicht schaffe, die viele Pendelei nach Berlin ausschließlich mit dem Zug zu machen. Aber ich esse keine Tiere mehr, mache keine Fernurlaube und versuche fast nur ökologisch und fair produzierte Klamotten und regionale Lebensmittel zu kaufen. Auf meinem Hausdach ist eine Solar- und Photovoltaikanlage und ich werfe keine Lebensmittel weg. Künftig möchte ich noch mehr Wege mit dem Fahrrad machen, das ist schließlich auch gesund.

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