Kritischer Konsum statt Verbrauchertäuschung
Konsum, also der Kauf von Gütern und Dienstleistungen für den privaten Gebrauch, wird nur bedingt von unseren Bedürfnissen bestimmt. Er wird maßgeblich von den Herstellern und vom Handel beeinflusst. Marketingstrategien, Werbung und Platzierung beeinflussen unsere Kaufentscheidungen im hektischen Alltag vielmehr als wir uns zugestehen. Es werden nicht nur neue und teilweise auch überflüssige Bedürfnisse erzeugt, denen wir glauben folgen zu müssen. Wir werden auch gezielt zu unnötigen Käufen verleiten und erwerben Produkte und Dienstleistungen, deren angepriesene Erwartungen nicht oder nur teilweise erfüllt werden. Häufig ist der Preis nicht angemessen oder der Kauf erzeugt Folgekosten, die zunächst nicht abschätzbar waren. Wir treffen dann keine selbstbestimmte Kaufentscheidung. Weiterlesen... Kommentar schreiben
„Es geht nicht darum, den Ländern des globalen Südens mehr zu geben, sondern ihnen weniger wegzunehmen!“ (Jean Ziegler, Das Imperium der Schande)
Durchschnittlich werden weltweit 2.800 Kalorien pro Kopf und Tag produziert. Fair verteilt, würde das für mehr als die sieben Milliarden Menschen ausreichen. Aber Nahrungsmittel sind nicht fair verteilt. Während wir über gigantische Lebensmittelverschwendung reden, reicht die Agrarproduktion in vielen Ländern des globalen Südens nicht aus. Das hat viele Ursachen. Krieg und Flucht, fehlender Zugang zu Boden, Wasser oder Düngemittel. Tanks und Futtertröge der reichen Industrieländer konkurrieren mit dem Teller der Armen um die Ackerflächen. Spekulationen mit Agrarrohstoffen und Äckern verteuern Nahrung. Erntegut geht bei Lagerung, Verarbeitung oder Transport verloren oder wird durch Schädlinge bzw. Krankheiten ungenießbar. Sinkende Bodengüte, Wetterextreme und Klimawandel vergrößern das Hungerproblem. Verschwendungsbewußt
In Deutschland landen jährlich rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Stattgart im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Allein in den Privathaushalten wird jährlich rund 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind mit 61 Prozent demnach die Hauptverursachen der Lebensmittelverschwendung. Im Schnitt wirft jeder Bundesbürger pro Jahr 81,6 Kilogramm weg. Gut zwei Drittel davon wären aber völlig oder zumindest teilweise vermeidbar. Was is(s)t gesund?
Am 15. Januar 2012 öffnen sich zum 75. Mal seit 1926 die Tore des Berliner Messegeländes am Kaiserdamm für die Grüne Woche, die heute aus gutem Grund Internationale Grüne Woche heißt. Partnerland ist in diesem Jahr übrigens Rumänien. Wer allerdings bei der Grünen Woche nur an Essen und Trinken denkt, tut dieser Messe Unrecht. Denn sie ist längst auch ein agrar- und verbraucherpolitisches Großereignis und ein Pflichttermin zum Jahresauftakt für Agrar- und Verbraucherpolitikerinnen und -politiker - ob in Parlamenten oder Regierungen. Erst Recht in diesem Jahr, in dem die Diskussionen zur Agrarförderung nach 2014 in die Zielgerade einbiegen. Dabei geht es immerhin um die Verteilung eines immer noch großen Teils des EU-Haushaltes für einen lebenswichtigen Sektor, in dem die EU-weite Harmonisierung wie in keinem anderen politischen Verantwortungsbereich fortgeschritten ist.
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