Gemeinsam für sozial-ökologische Landwirtschaft!

Engagierte und Interessierte diskutieren mit Abgeordneten und Mitgliedern der LINKEN.

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In Witzenhausen, dem Standort für „ökologische Agrarwissenschaften“ der Uni Kassel wurde am vergangenen Freitag (22.06.2018) unter dem Motto „Wochenmarkt statt Weltmarkt“ über die Zukunft der sozial-ökologischen Landwirtschaft in Nordhessen beratschlagt. Die Hessische Linksfraktion sowie Sabine Leidig, MdB hatten dazu eingeladen. Das Treffen diente dem gegenseitigen Austausch und der Vernetzung, die Linksfraktion konnte frische Impulse für ihre künftige parlamentarische Arbeit mitnehmen.
Verabredet wurde ein nächstes Treffen zum gemeinsamen Protest gegen die geplante Versiegelung besten Ackerlandes in Neu-Eichenberg/Hebenshausen für ein nutzloses Logistikzentrum, das die Region nur weiter mit LKW-Verkehr belastet. Treffpunkt zum Protestspaziergang: 9. Juli 2018, 17:30 Uhr Bahnhof Eichenberg (Flyer).
Zahlreiche spannende Vorträge bereicherten die Diskussion:

  • Benjamin Luig (Rosa-Luxemburg-Stiftung Johannesburg, Dialogprogramm Ernährungssouveränität) sprach über die Megatrends im globalen Ernährngssystem. Er warf Schlaglichter auf die Digitalisierung (z.B. den Einsatz von Drohnen u.a. zur Kontrolle von Arbeitnehmer*innen oder die Forschung an genomischen Daten von Kulturpflanzen für deren Züchtung im Labor), die Finanzialisierung (immer weiter zunehmender Einfluss des internationalen Finanzkapitals auf Landwirtschaft und Ernährung, Investor*innen nutzen - v.a. wegen niedriger Zinsen - Agrarland zum "parken" finanzieller Überschüsse), die Monopolisierung (sich verschärfende Konzentration von Konzernmacht) sowie die sich dadurch stark verändernden Arbeitsbedingungen der in der Landwirtschaft/Ernährungswirtschaft tätigen Menschen.
  • Simon Arbach & Anja Banzhaf (Dorfgarten Eichenberg) berichteten vom Protest gegen ein Logistikgebiet in Neu-Eichenberg/Hebenshausen bei dem 80 Hektar bestes Ackerland drohen verloren zu gehen. Verabredet wurde ein Protestspaziergang zur nächsten Gemeinderatssitzung am 9. Juli (s.o.). Nach neuesten Informationen ist das Areal von der landeseigenen "Hessischen Landesgesellschaft" bereits an die Dietz AG, ein international operierendes Unternehmen mit 83(!) Tochterfrimen, verkauft und damit privatisiert worden. 1,1 Mio Euro wurden für Planungskosten verschwendet - alles für Fächenversiegelung und noch mehr LKW-Verkehr (inklusive Lohndumping in der Logistikbranche). Alternativen sind möglich! Folgende Links geben Informationen:
  • Lena Jacobi (junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) sprach zum Thema "Was macht jungen Leuten das Land(-wirtschaften) gut?". Um mehr junge Menschen für die Landwirtschaft zu begeistern, müssen aus ihrer Sicht vor allem die politschen Rahmenbedingungen verbessert werden. Dazu gehöre eine multifunktionale Landwirtschaft, die von der Gesellschaft anerkannt werde und für Umwelt und Tier gerecht sei. Grundvoraussetzung sei eine gute Ausbildung, hilfreich eine ausführliche Beratung bei Hofübernahmen. Benötigt werde eine Agrarpolitik, die nicht nur auf Flächenbasis subventioniere, sondern Vielfalt honoriere. Der Zugang zu Land/Boden müsse ermöglicht werden, schließlich erbe nicht jede*r einen Hof. Auch die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden: Dazu gehören faire Preise für die Agrarprodukte, gute Einkommen sowie angemessene Arbeitszeiten. Attraktiv sei für junge Leute eine vielseitige, nicht zu stark spezialisierte Landwirtschaft mit einem "gesunden Maß" an Technisierung, in der sichergestellt sei, dass kein Wissen verloren gehe. Auch belebte Dörfer machen das Landleben attraktiver. Offene Hoftore können hier einen Beitrag leisten.
  • Johanna Scheringer-Wright (MdL Thüringen, Sprecherin für Agrarpolitik und regionale Entwicklung) referierte zu "Guter Arbeit und ökologischer Landwirtschaft auf großen Flächen". Sie stellte zentrale linke Positionen in den Fokus und forderte, dass Subventionen in der Landwirtschaft sich am Gemeinwohl orientieren sollten. Dies müsse auch global gedacht werden: Notwendig sei ein faires Weltwirtschaftssystem, das Ernährungssouveränität für alle Länder ermögliche. Dafür müsse die Macht der Agrar- und Lebenmittelkonzerne gebrochen werden, die gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) sei grundsätzlich neu auszurichten, die Weltmarkt- und Exportorientierung aufzugeben. Stattdessen sollten lokale Alternativen und Initiativen unterstützt und gefördert werden. Für große Flächen gelte: Entscheidend (etwa für die Biodiversität) sei, wie produziert werde, nicht in welchem Maßstab. Sozial-ökologischer Landbau ist also auch auf großen Flächen prinzipiell möglich, auch wenn die Artenvielfalt im Innern großer Schläge geringer sei als an den Rändern.
  • Anne Schwarzfischer (Gärtner*innenteam Solidarische Landwirtschaft Freudenthal) sprach über ihre Erfahrungen im basisdemokratisch organisierten Gemüsebau und die Schwierigkeiten in kapitalistischer, profitorientierter Umgebung ein solidarisches Landwirtschaftsprojekt zu betreiben. Letztlich sei dies nur mit Selbstausbeutung möglich, denn die Einnahmen reichen nicht aus, die Arbeit angemessen zu bezahlen. Immer wieder gerate man aufgrund von Sachzwängen in die "Steigerungsfalle", obwohl Profitmaximierung den eigenen Grundprinzipien solidarischer Landwirtschaft widerspreche. Im Gemüsebau sei ein Hauptproblem, dass es in Deutschland viel zu wenig Auszubildene gebe. Nur noch 38% des hier konsumierten Gemüses werde in Deutschland produziert.

Weitere Materialien und Links zum Thema:

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