Klärschlamm - Chance oder Risiko?

In Deutschland fallen jedes Jahr knapp zwei Millionen Tonnen Klärschlamm als Trockenmasse an. Knapp die Hälfte davon wird als Dünger in der Landwirtschaft bzw. im Landschaftsbau eingesetzt, die andere Hälfte landet in Müllverbrennungsanlagen (MVA), wird also thermisch entsorgt. Dabei gibt es zwei Probleme: Klärschlamm enthält oft so viel Schadstoffe, dass seine Verwendung als Düngemittel zu riskant ist. Die Wirkung der im Klärschlamm konzentrierten Schadstoffe auf Boden und Umwelt ist bisher nicht umfassend geklärt und es wächst die Besorgnis über mögliche Gesundheits- und Umweltgefahren.

Durch den direkten Einsatz in der Landwirtschaft können Schadstoffe über die Pflanzen in die Nahrungskette gelangen und durch Bodenauswaschung auch die Gewässer und das Grundwasser belasten. Deshalb hat sich die Bundesregierung schon im Koalitionsvertrag auf einen Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung mit der Verpflichtung festgelegt, zukünftig den enthaltenen Phosphor zu recyceln. Gleichzeitig enthält Klärschlamm für das Pflanzenwachstum wertvollen Phosphor – eine endliche natürliche Ressource, die zudem fast vollständig importiert werden muss. Seine Rückgewinnung ist also ein wichtiges agrarpolitisches Thema. Mit der derzeit üblichen Entsorgung der Aschen, die in den klassischen Müllverbrennungsanlagen entstehen, gehen dem Stoffkreislauf sämtliche im Klärschlamm enthaltenen Wertstoffe, also auch Phosphor, dauerhaft verloren. Das ist keine zukunftsfähige Option.

DIE LINKE nimmt die Bundesregierung mit dem Antrag „Bundesprogramm Modellvorhaben Regionale Auslastung von Müllverbrennungsanlagen unter Integration von Klärschlamm auflegen“ beim Wort: Nicht einfach entsorgen, sondern nach dem SERO-Prinzip handeln, also den Phosphor rückgewinnen.

Damit könnte gleichzeitig die Lösung eines weiteren Problems in Angriff genommen werden. Denn viele Müllverbrennungsanlagen sind gemessen am regionalen Müllaufkommen weit überdimensioniert. Um diese Anlagen rentabel auszulasten wird der Abfall oft über weite Strecken herangekarrt und sogar immer öfter aus dem Ausland importiert. Mit einem Bundesprogramm für Modellvorhaben können diese meist zwanzig Jahre alten Planungsfehler behoben werden. Überdimensionierte Müllverbrennungsanlagen sollen so umgebaut werden, dass neben der klassischen Abfallverbrennung, Anlagenbereiche ausschließlich zur thermischen Verwertung von Klärschlamm mit gleichzeitiger Phosphorrückgewinnung entstehen. Ein Entwicklungsanstoß zur regionalen Auslastung der Anlagen mit gleichzeitigem Phosphorrecycling aus Klärschlamm zur Verhinderung von Müllimporte. Das wäre eine wirkliche win-win Situation.

Es gibt dabei noch etliche Probleme zu klären, von anlagentechnischen Details bis zur Pflanzenverfügbarkeit des zurückgewonnenen Phosphors. Grundsätzlich ist eine solche Lösung laut einer Studie des Umweltbundesamtes möglich. In Modellvorhaben können sie weiterentwickelt und praktisch erprobt werden. DIE LINKE will, dass der Bund das unterstützt.

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