Tokyo Sommerreise Tag drei - Dorothée Menzner

Unfassbare Nachrichten

So richtig hatte ich ja im Vorfeld nicht daran geglaubt, dass sich alle für diesen Montag vorgesehenen Termine verwirklichen lassen und der Tag beginnt auch erst einmal entspannt mit Frühstück und einem freien Vormittag, den wir für Foto- und Filmaufnahmen nutzen sowie um youtube Statements zu produzieren. Gegen Mittag  treffen wir verabredungsgemäß Rei, unseren japanischen Freund, selbst Journalist und Kameramann und fahren ...

... zum „diet“ dem Abgeordnetenbürohaus des japanischen Parlaments. Hier treffen wir weitere japanische Freunde und Bekannte. Der Tagungsraum, in dem die japanische Version unseres Filmes gezeigt werden soll, erscheint mir deutlich zu groß - aber mal sehen. Und er füllt sich. Bis er überfüllt ist. Mit Journalisten, Organisatoren der Proteste in Tokyo und Parlamentariern aller Fraktionen. Bei der Vorführung das Bild wie immer; konzentrierte Zuschauer und man könnte eine Stecknadel fallen hören.

Nach dem Film bedanken sich die Vertreter aller Fraktionen öffentlich. Natürlich nicht ohne zu erwähnen was ihr persönliches Engagement gegen die Atomtechnik in den letzten Monaten war. Irgendwie beachtlich, wenngleich ich an der einen oder anderen Stelle etwas ungläubig bleibe, ist doch auch ein hoher Vertreter der Regierungspartei darunter, aber die Positionierungen laufen seit dem 11.3.2011 quer durch alle politischen Lager. Am Rande vereinbaren wir, gemeinsam eine internationale Parlamentarierversammlung gegen Atomkraft gründen zu wollen.

Nach einer kurzen Pause geben der Abgeordnete Hattori, Sprecher der interfraktionellen Gruppe gegen Atomkraft und ich gemeinsam eine Pressekonferenz und stellen uns den Fragen. Während ich erkläre, wieso mir die Kooperation mit  Japan so wichtig ist und die Situation in Deutschland erläutere, ist das was Kollege Hattori verlauten lässt von einer Brisanz, die mir fast den Atem verschlägt, wenngleich wir schon zuvor darüber gesprochen hatten.

Erstens erklärt er öffentlich, dass alle Informationen die er in den letzten Monaten zusammengetragen hat zeigen, dass das Hauptmotiv der Nutzung der Atomenergie für die japanische Regierung  immer die Option auf die Atombombe war und nach wie vor ist.

Zweitens berichtet er, was offenbar soeben erst bekannt wurde: Dass das soeben wieder angefahrene Atomkraftwerk Oi im Bezirk Fukui auf einer aktiven Erdbebenspalte steht. Er hat herausgefunden, dass dies schon lange bekannt gewesen ist und offensichtlich bei der Genehmigung, die unter diesen Umständen nie hätte erteilt werden dürfen, keine Rolle spielte. Dazu hat er den Ministerpräsidenten befragt der sich ahnungslos gab -und vermutlich auch ist. Der Sache wird nun nachgegangen und bei einer Bestätigung kann dies auch nach japanischem Recht nur das endgültige Aus für die Anlage bedeuten.

Auch viele Journalisten sind fassungslos.

Bei einem gemeinsamen Arbeitsessen diskutieren wir intensiv weiter, verabreden den Austausch von Untersuchungsberichten und anderen Dokumenten und schnell ist klar, dass wir uns für September erneut in Tokyo treffen werden und dann aber auch endlich mal in Berlin.

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