Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Auf dem Bombodrom-Gelände lebt wahrscheinlich seit 2007 ein Wolf, der nun eine deutliche Spur durch den Nordwesten Brandenburgs und den Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns zieht. Ihm werden verschiedene Gatterwild- und Weidetier-Risse angelastet. Seit Anfang 2011 gehen wohl 13 Stück Dammwild, drei Rentiere und 15 Schafe auf sein Konto.

 

Der Wolf war neben dem Menschen das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Bis zum Beginn der Land- und Herdenwirtschaft, mit der die Verfolgung durch den Menschen einsetzte. Im 19. Jahrhundert galt er in Nord- und Mitteldeutschland als ausgerottet. Doch seit 1990 wandern Wölfe aus Polen und Tschechien wieder nach Deutschland ein. Mittlerweile ist der Wolf in Teile Ostdeutschlands heimisch geworden. In der sächsischen Lausitz gibt es fünf Rudel mit 50-60 Wölfen. In  Mecklenburg-Vorpommern und  Brandenburg sind es bislang wohl nur einzelne Wölfe.

Bei einer Diskussionsveranstaltung am Donnerstagabend in Wittstock wurde schnell klar: Was für die Einen der willkommener Rückkehrer, ist für die Anderen ein bedrohlicher Angreifer auf ihr Eigentum Weidetier. Mit dem Wolf sind Ängste und Emotionen verbunden, die ernst genommen werden müssen. Aber im Verlauf der Debatte hat sich auch gezeigt, dass die Bereitschaft deutlich überwiegt, den Weg zur Akzeptanz gemeinsam zu gehen. Man muss und kann miteinander reden und handeln. Schäden müssen vermieden oder zügig und unbürokratisch ausgeglichen werden. In Brandenburg klappt das unterdessen sehr gut, weil sich Engagierte in Behörden, Jägerschaft und regionaler Landwirtschaft aufeinander zu bewegen. Die Politik stellt Geld z. B. für Elektrozäune bereit. Die Tierhalterinnen und Tierhalter müssen sie aber auch installieren und ihre Funktionstüchtigkeit sichern. Schäden werden bezahlt, wenn ein Wolfsriss nicht ausgeschlossen werden kann. Es gibt eine hilfreiche Informationsbroschüre des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Der Wolfsmanagementplan bietet eine gute Grundlage zum Handeln und wird, wo nötig, aktualisiert.

Wichtig ist ein sachlicher Umgang mit dem Wolf, dessen Zuwanderung sich kaum verhindern lässt. Wer wie wir als LINKE tierhaltende Betriebe mit Weidehaltung in Brandenburg auch mit Wolf stärken will, muss die engen wirtschaftlichen Spielräume vieler Landwirtschaftsbetriebe berücksichtigen. Wir brauchen praktikable Lösungen, die Wölfe als rote Liste Art respektieren, aber auch die Interessen der Landwirtschaft berücksichtigen. Dass dies gut funktionieren kann, beweist die sächsische Lausitz. Der hoher Schutzstatus des Wolfes und Weidetierhaltung müssen kein Gegensatz sein.

Mehr Infos bekommen Sie hier (Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg).

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