Karl Marx und die Milch

Jede Ware hat einen Wert, der drückt sich in der gesellschaftlich notwendigen Zeit aus, um diese Ware zu schaffen. Jede Rationalisierung in der Produktion lässt diesen Wert sinken, weil weniger Arbeit in das einzelne Produkt fließt. Produzenten, die diese Rationalisierungen nicht nachvollziehen, werden aus der Produktion gekegelt.

Dies passiert über den Preis, denn jede Ware hat nicht nur einen Wert, sondern auch einen Preis. Der Preis muss nicht dem Wert einer Ware entsprechen, sondern regelt sich durch Angebot und Nachfrage. Ein Überangebot lässt den Preis weit sinken, bis Angebot und Nachfrage in Übereinstimmung sind oder sogar die Nachfrage größer ist als das Angebot. In diesem Falle steigt der Preis über den eigentlichen Wert.

Dies sind die Gesetzmäßigkeiten der sogenannten freien Marktwirtschaft, so funktioniert der Kapitalismus. Unter Vernichtung großer Produktionseinheiten und seiner Produzenten gehen die wirtschaftlich „Erfolgreicheren“ aus diesem Rennen, um dann untereinander die nächste Runde zu beginnen.

Auch die Milch hat einen Wert, dessen Preis laut dem BDM bei 43 Eurocent liegen soll. Dies ist nur ein durchschnittlicher Wert, ein Bauer mit 30 Kühe müsste wohl um die 55 – 60 Eurocent haben, der 1.000 Kuh-Betrieb könnte schon mit 35 Eurocent den Wert der Milch decken. Grob gesprochen, je größer der Betrieb, umso geringer ist der Wert der Milch.

Da gibt es unsere (niedersächsische) Forderung nach einem Mindestpreis für die Milch. Soll dieser so hoch sein, damit auch die kleineren Betriebe überleben können? Welch´ ein Reichtum dann für die Großbetriebe. Oder verabschieden wir uns mit dem Mindestpreis auch von den Kleinbetrieben. Oder schaffen wir die hundertste Prämie, um scheinbar Ungleichheiten in der Agrarstruktur ausgleichen zu wollen?

Nun gibt es den Vorschlag des BDM, durch freiwillige Verringerung der Milchproduktion Angebot und Nachfrage in Übereinstimmung zu bringen und damit den Preis der Milch auf ihren Wert zu bringen. Prämien für die Milchbauern, die ihre Produktion verringern oder gar einstellen. Eine andere Variante des sattsam bekannten Wachsen oder Weichen. Natürlich sind es die kleineren Kuhbetriebe, die mit ihrer schon jetzt „unrentablen“ Produktion heraus gekegelt werden. Bei steigendem Preis kann dann der Großbetrieb sogar einen Extraprofit erwirtschaften, sollte der Preis über seinen erwirtschafteten Wert steigen.

Wenn wir schon für die Verringerung der Produktion eintreten, dann sollte dies flächenbezogen geschehen mit einer obligatorischen Kürzung vor allem für die größeren Milchproduzenten. (Beispiel: bis 400.000 kg Milch keine Kürzungen, 400.000 – 700.000 kg = 5 %, 700.000 – 1.000.000 = 8 %, 1.000.000 – 1.500.000 = 12 %, darüber 20 %)

Schuld sind nicht die bösen Handelsketten, die handeln nur nach dem kapitalistischen Prinzip, dass ein zu großes Angebot die Preise sinken lässt.

Es ist das Prinzip der sogenannten freien Marktwirtschaft, die immer wieder Milchkrisen hervorruft. Es ist dieses System, dass nicht nur Mensch, sondern auch Tier und Umwelt unter die Räder geraten lässt. Umweltschutz und Tierwohl sind keine Ware und haben damit keinen Wert. Sie haben aber einen geringen Preis durch staatliche Auflagen. Auch der Boden hat eigentlich keinen Wert, abgesehen von einzelnen Fällen der Landgewinnung an der Küste oder  der Brandrodung in Latein – und Südamerika. Durch die große Spekulation aber hat der Boden einen hohen Preis.

Gegen Massentierhaltung, überbordenden Medikamentenmissbrauch, Gentechnik und Ruinierung der ärmsten Länder hilft nur eine Agrarpolitik, die die Landwirtschaft aus der sogenannten freien Marktwirtschaft holt. Eine bäuerliche Landwirtschaft muss unter Schutz gestellt werden, auch mit Zöllen für Agrarprodukte, die unsere Bauern gefährden können. Eine bäuerliche Landwirtschaft braucht keine Prämien, sondern eine differenzierte Preispolitik, damit auch die kleineren Betriebe Luft zum Atmen haben. Ein gestaffelter Milchpreis ist die richtige Antwort auf die Krise bei den Milchbauern. Ein gestaffelter Erzeugerpreis unterstützt die Milchproduktion, die in der Menge an die Fläche gebunden ist. So müsste ein linkes Angebot an Bäuerinnen und Bauern aussehen.

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