20 Jahre Bahnreform – die Bilanz ist durchwachsen


bahn-fuer-alle-gegenbilanz-2a1994: Die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn fusionierten knapp fünf Jahre nach der Deutschen Einheit. Gleichzeitig wandelte man die Behörde zur einem Unternehmen und hatte sogar das Ziel, die Deutsche Bahn AG an die Börse zu führen. Diesen Schritt ließ man allerdings weg, da nicht zu erkennen war, dass nach den Telekom-Flop ernsthaft jemand Bahn-Aktien kaufen könnte.

Die Ziele waren dennoch engagiert: Es sollten mehr Menschen von der Straße auf die Schiene gelockt, Bahnfahren sollte preiswerter und Zuverlässigkeit und Komfort sollten gesteigert werden. Alle drei Kernziele wurden verfehlt, und zwar deutlich. Heute fahren anteilsmäßig mehr Menschen auf der Straße oder nutzen das Flugzeug. Die Fahrpreise stiegen deutlich stärker als die Inflationsrate. Und die Zuverlässigkeit? Naja, das Urteil muss sich jeder selbst bilden.

Größter Einschnitt war neben der Stilllegung von rund 5.000 Schienenkilometern der Wegfall der sogenannten InterRegios. Vom Saarland aus konnte man im Stundentakt über Trier nach Köln und ins Ruhrgebiet fahren. Über Mannheim gelangte man nach Stuttgart oder Nürnberg.

Zeitweise fuhr ein InterRegio sogar von Saarbrücken nach Greifswald in Vorpommern. Alles ohne lästiges Umsteigen.

Alles Geschichte. Heute stehen die wenigen verbliebenen ICE/TGV zur Disposition. IC-Züge fahren nach Mannheim/Frankfurt nur noch in Tagesrandlagen. Der direkte Fernverkehr Richtung Trier/Koblenz und weiter nach NRW ist längst eingestellt. Die Bahn verweist auf attraktive Regional-Express-Züge. Diese haben aber eher den Charme einer Straßenbahn. Platzreservierungen, Fahrkartenkauf im Zug, Bordbistro oder Speisewagen, Zugbegleiter? Alles Fremdwörter. Und ob es mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 besser wird, ist auch noch offen. Dann wird Richtung Mainz/Frankfurt die DB-Regio durch ein privates Unternehmen abgelöst.

Fazit: viele Reisende fahren mit ihrem Auto, nutzen die neuen Fernbusse oder ärgern sich im Zug oder am Bahnhof. Dieser Systemwandel zu Lasten der Reisenden und der Bahnbeschäftigten war politisch gewollt und nannte sich "Bahnreform 1994".

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