Abschalten, abwählen, oben bleiben!

mappusSo wie der Laufzeitverlängerungsdeal nicht der Energiesicherheit diente, sondern den Stromkonzernen, die mit jedem Tag, an dem ein abgeschriebenes AKW weiter läuft eine Million Euro machen, so dient Stuttgart21 nicht einem besseren Bahnverkehr, sondern den Tunnelbohr-Beton- und Immobilienkonzernen. So wie die Bevölkerung bei der Atomkraft getäuscht worden ist, wird sie bei S21 belogen. So wie AKWs dem Ausbau erneuerbarer, dezentraler Energien entgegen stehen, steht S21 dem Ausbau einer besseren Bahn im Weg.
Rede (zu Protokoll) von Sabine Leidig am 22. März 2011.

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrter Herr Präsident.

Zum notwendigen Ausstieg aus dem unterirdischen Projekt „Stuttgart 21“ will ich nicht mehr sagen – es ist entlarvt, die Gegenargumente sind publik - dank der starken Protestbewegung.

Und am vergangenen Samstag konnten alle, die es wollten, sehen und hören: Der Widerstand gegen Stuttgart 21 wird wieder stärker. Die Irritationen, die es im Zusammenhang mit dem unverantwortlichen, einseitigen und anmaßenden Schlichterspruch von Heiner Geißler gab, spielen kaum mehr eine Rolle. Es waren wieder 50.000, die gegen dieses Projekt, das für die Stadt und den Schienenverkehr zerstörerisch wirkt, auf die Straße gingen.

Der Regisseur Volker Lösch hat dort in 600 Sekunden 60 Lügen vorgetragen, die zur Begründung von S21 angeführt werden, und sie widerlegt. Und wie schon bei vorhergehenden Kundgebungen skandierten die Leute: ″LÜGENPACK! LÜGENPACK!″ Das ist es, worüber ich reden will.

Selbstverständlich verwende ich nicht den Begriff ″Lügenpack″, aber sowohl die Bundeskanzlerin Frau Merkel, als auch der Verkehrsminister Herr Ramsauer und der Ministerpräsident Herr Mappus, verspielen in eklatanter Weise politische Glaubwürdigkeit und fügen damit der demokratischen Kultur Schaden zu. Das dürfte das Parlament nicht geschehen lassen.

gierZunächst zur Kanzlerin, die vor einigen Monaten vehement für das Projekt und gegen ein Bürgerbegehren gesprochen hat, weil ansonsten die Vertrauenswürdigkeit Deutschlands bei Investoren und Wirtschaftspartnern leide.

Die selbe Frau Merkel hat gerade offenbart, dass solche Schwarzmalerei mitnichten der Wahrheit entspricht. Bis vor kurzem hat sie behauptet, dass Atomkraftwerke weiter laufen müssen, weil sonst unserer Energieversorgung gefährdet sei. Nach dem Super-GAU von Fukushima und vor den Landtagswahlen wurden jetzt sieben alte Atomkraftwerke abgeschaltet. Es ist kein Licht ausgegangen. Aber einigen ging ein Licht auf: Tatsächlich ist ein kompletter Ausstieg aus der Atomenergie möglich. Aber das wurde bestritten, um den Energiekonzernen die Extraprofite von 1 Million Euro täglich, aus jedem abgeschriebenen AKW zu sichern.

Übrigens hängt auch die Deutsche Bahn AG in der Atom-Seilschaft, ist an einem AKW beteiligt und fährt erheblich mit Atomstrom. Wenn es die Bundeskanzlerin ernst meinen würde mit ihrer neuen Atomkraftskepsis, dann müsste sie dem einen Riegel vorschieben – immerhin handelt es sich hier um ein Unternehmen, das sich zu 100 Prozent in Bundeseigentum befindet.

Die DB AG muss sich komplett von der Atomenergie verabschieden und auf regenerative Energie umsteigen! Und: der Chef von RWE, Jürgen Grossmann, den der Verkehrsminister im Aufsichtsrat der DB-.AG platziert hat, muss ausgetauscht werden.

Zweitens nun zu diesem, zum Bundesverkehrsminister Ramsauer:

Er tritt immer wieder mit dem Verweis auf die europäischen Güterströme und die großen Verkehrsachsen in Europa ein. Allerdings wissen wir inzwischen alle, dass die S21-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm mit 35 Promille steiler sein wird als die Geislinger Steige und dass dort wohl gar keine Güterzüge fahren werden. Im Rheintal dagegen, oder um Fulda müsste dringend ausgebaut werden, damit mehr Güterverkehr auf der Schiene rollen kann – aber da fehlen die Investitionsmittel.

Das heißt: Die sündhaft teure Neubaustrecke nutzt dem Schienengüterverkehr rein gar nichts – im Gegenteil: sie behindert die Verlagerung von der Straße auf die Schiene.

Aber warum hält Herr Ramsauer daran fest?

Er forciert PPP-Projekte, bei denen Autobahnen mit Geldern privater ″Investoren″ finanziert und realisiert werden, denen dann die Mauteinnahmen zufließen. Aktuell treibt der Bundesverkehrsminister den sechsspurige Ausbau der Autobahn Augsburg-Ulm so voran, nachdem der Abschnitt München-Augsburg bereits in PPP ausgebaut wurde. Und als nächstes wäre in dieser Logik der Autobahnausbau Ulm-Stuttgart dran.

 

Die Schwäbische Zeitung schreibt am 3.1.2011: ″Privatautobahn: Der Albaufstieg wird teuer. Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt München-Augsburg steht nun die Strecke nach Ulm auf dem Programm.″ und weiter zu den PPP-Autobahnprojekten: ″Sicher ist: Ohne reichlich Lastwagen rechnet sich die Sache nicht. Die Investoren reagieren höchst hellhörig auf jeden Versuch, mehr Güter mit der Bahn zu transportieren.″

Es scheint, dass der Verkehrsminister lügt, wenn er sagt, dass er die Schiene stärken will. In Wahrheit ist er „ein Mann der Straße“ ist, wie ihn die Financial Times Deutschland bei Amtsantritt vorstellte.

Schließlich noch ein Wort zum baden-württembergischen Ministerpräsidenten:

Herr Mappus kaufte mit viel Steuergeld den Atomstrom-Energiekonzern EnBW. Dabei spielt der Mappus-Freund, der Investmentbanker Dirk Notheis, eine wichtige Rolle. Derselbe Herr Notheis ist eng mit dem Projekt der Bahnprivatisierung verbunden. Dazu schrieb die ″Süddeutsche Zeitung″: ″Mit einem Staatsauftrag, der Notheis besonders am Herzen lag, war er 2008 gescheitert: Unter dem Codenamen ´Oktoberfest´ wollte der Badener (...) die Deutsche Bahn an die Börse bringen.″ (SZ vom 14.12.2010).

Eine äußerst unglaubwürdige Zickzack-Politik: Mappus lässt Baden-Württemberg einen Energieriesen kaufen, der sich besonders für Atomstrom engagiert. Der Vermittler des Geschäfts ist ein engagierter Bahnprivatisierer. Eine Woche vor der Wahl nimmt man einen Atommeiler vom Netz, der auch noch Atomstrom an die Bahn lieferte. Und würden Mappus und Merkel nach der Wahl machen, wenn sie diese denn ohne allzu große Blessuren überstehen würden? Die Mehrheit der Bevölkerung weiß darauf eine Antwort: Das ist alles ein Manöver – dann gingen die Atomkraftwerke wieder ans Netz.

Übrigens: Am meisten Beifall erhielt Volker Lösch auf ″Lüge 59″ sie lautet: ″Mappus und Merkel behaupten, der 27. März sei ´die Volksabstimmung über S21´. Wahr ist, dass der Kampf - unabhängig vom Ausgang der Wahl - weitergehen wird !“

So wie der Laufzeitverlängerungsdeal nicht der Energiesicherheit diente, sondern den Stromkonzernen, die mit jedem Tag, an dem ein abgeschriebenes AKW weiter läuft eine Million Euro machen, so dient Stuttgart21 nicht einem besseren Bahnverkehr, sondern den Tunnelbohr-Beton- und Immobilienkonzernen.

So wie die Bevölkerung bei der Atomkraft getäuscht worden ist, wird sie bei S21 belogen.

So wie AKWs dem Ausbau erneuerbarer, dezentraler Energien entgegen stehen, steht S21 dem Ausbau einer besseren Bahn im Weg.

Es ist höchste Zeit für eine anderePolitik:

Atomkraftwerke abschalten – jetzt und für immer!
Und: Stuttgart21 abblasen und stattdessen bahnsinnige Alternativen bauen!

 

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