Angeklagt: Die Bundesregierung

Es war noch nie so turbulent wie an diesem Donnerstag. Diesmal stand die Bundesregierung unter Beschuss. Selten war die Empörung unter den Mitgliedern des Gorleben-Untersuchungsausschusses so groß. Ein Zeuge besaß Akten, die der Untersuchungsausschuss seit Monaten dringend angefordert, aber nie erhalten hat. Darin geht es um weichenstellende Gespräche Angela Merkels mit der Atomwirtschaft. Immer hatten die Ministerien behauptet, man habe dergleichen nicht. Dr. Matting, ehemaliger Ministerialbeamter aus dem Bundesumweltministerium (BMU), ahnte möglicherweise nicht einmal, welche Brisanz die Akten hatten, die er bei sich trug.

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Flapsige Worte von Ministerin Merkel

Die vergangene Woche stand unter dem Licht eines Vorwurfs, den DIE LINKE gegen die Ex-Bundesumweltministerin und heutige Bundeskanzlerin Merkel erhebt: Sie habe 1995 bewusst nicht die Wahrheit gesagt, als sie vor die Presse trat und verkündete: „Gorleben bleibt erste Wahl“. Anlass für diese Presseerklärung waren zwei Studien, die alternative Standorte untersucht hatten. Gorleben kam darin gar nicht vor. Brisante Aktenfunde legen nahe, dass die Öffentlichkeit damals bewusst manipuliert wurde.

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Scharfe Kritik aus den eigenen Reihen

prof. dr. helmut rthemeyerIm Europasaal des Deutschen Bundestags könnte man eine Nadel fallen hören, wäre nicht überall Teppichboden ausgelegt. Es herrscht gespannte Stille. Der Zeuge spricht sehr leise und langsam, aber seine Worte haben Brisanz. Prof. Dr. Helmut Röthemeyer ist kein Unbekannter für den Untersuchungsausschuss Gorleben. Er hat schon einmal im Juli 2010 ausgesagt. Seit 1977 beschäftigte sich der heute 73-Jährige mit der nuklearen Entsorgung, erst als Abteilungsleiter in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), dann als Fachbereichsleiter im Bundesamt für Strahlenforschung (BfS). Aber 2010 ging es nicht um die Änderungen am Erkundungskonzept, wie sie 1997 durchgeboxt wurden. Gegen Röthemeyers Willen. Wie konnte das sein?

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Der Schönredner

Dr._Bruno_ThomauskeErstmals muss ein Mann dem Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stehen, der in Bezug auf Gorleben noch hochaktiv im Geschäft ist. Dr. Bruno Thomauske war von 1983 bis 2003 im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS, vormals Physikalisch-Technische Bundesanstalt) beschäftigt, zuletzt als Fachbereichsleiter ET-E, der mit der Projektplanung Gorleben befasst war. Der heute 62-jährige wechselte dann zum Energieversorger Vattenfall, musste aber 2007 seinen Hut nehmen, weil er die Störfälle im AKW Krümmel herunterspielte und für eine miserable Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich war. Das war aber keineswegs das Ende der Karriere des Dr. Thomauske, sondern er bekam eine Professur zum Thema „Nuklearer Brennstoffkreislauf" an der von dem RWE-Konzern gesponserten RWTH Aachen. Der Kernphysiker lehrt dort und wurde 2010 von Bundesumweltminister Röttgen (CDU) beauftragt mit einer „vorläufigen Sicherheitsanalyse" zu Gorleben. Von diesem 3-Millionen-Auftrag erhält Thomauskes eigens gegründete Ein-Personen-Firma allein 800.000 Euro. Aber die vorläufige Sicherheitsanalyse ist nicht nur lukrativ, sondern wird auch eine besondere Weichenstellung für Gorleben bedeuten.

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