Blühende Landschaften sind möglich

Endlich Wochenende – raus in die Natur! Doch der Spaziergang macht nur halb so viel Spaß, wenn er durch monotone, scheinbar unendliche große Getreide-, Raps- oder Maisäcker führt. Das sagen auch viele der 1.000 Radfahrerinnen und Radfahrer der Tour de Prignitz, die seit einigen Jahren eine Woche durch die Region radeln. Das Auge sucht oft vergebens nach Vielfalt auf dem Feld. „Unkraut“ ist aber nicht willkommen, weil es den Aufwuchs der Ackerkultur behindert und das Erntegut verunreinigt. Aber was für die einen eher Befindlichkeiten sind, wird für manche Lebewesen zur Frage von Leben und Tod. Zum Beispiel für Insekten.

Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. hungern. Auf Wiesen und Feldern blüht immer weniger oder nur zu bestimmten Zeiten. Damit fehlt Nektar und Pollen als Lebensgrundlage. Aber im Agrarökosystem haben Wild- und Honigbienen eine wichtige Funktion. Sie sichern mit ihrer Bestäubungsleistung die Erträge der Kulturpflanzen, z. B. im Obstbau, und erhalten viele Wildpflanzen. Diese sind wiederum Lebensraum für andere Tiere, sie sorgen für Grundwasserneubildung oder schützen vor Bodenerosion. Insektenfressende Vögel sind auf die Nahrungsquelle angewiesen.

Das „Netzwerk Blühende Landschaft“ will diesen Trend stoppen. Es setzt sich für mehr Blühpflanzen in der Kulturlandschaft ein. Am 28. Mai 2013 war ich in Heiligengrabe bei einer sehr interessanten Diskussionsveranstaltung mit einem Referenten dieses Vereins. Organisiert vom Bürgermeister Holger Kippenhahn (LINKE). Das Netzwerk erfasst und unterstützt Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität für Insekten der Kulturlandschaft, also auf dem Acker genauso wie in den Städten. Interessierte Landwirtschaftsbetriebe finden Anregungen für insektenfreundliche Bewirtschaftungskonzepte. Beispielsweise können an Acker-, Wiesen-, Wald oder Wegesrand Blühstreifen angelegt werden. Insektenattraktive Zwischenfrüchte, Untersaaten und selbst Blühpflanzenmischungen für die Biogasanlagen sind ein wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt wie auch der Mischfruchtanbau aus Sonnenblume, Erbse, Wicke, Bohne und Ölrettich. Solche Konzepte sind gute Beispiele für ein sinnvolles „Greening“ im Rahmen der EU-Agrarpolitik ab 2014, findet DIE LINKE. Blühstreifen wären z. B. wunderbare ökologische Vorrangflächen. Hier können Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen. Für beide Seiten eine gute Chance bei entsprechender Unterstützung. Aber auch für den Ansatz, aus „städtischem Grün“ „städtisches Bunt“ zu machen, gab es interessante Erfahrungsberichte. Regional angepasste Blühpflanzenmischungen stehen übrigens als aktive Unterstützung zur Verfügung.  

Das Netzwerk ist eine Plattform für Erfahrungsaustausch, sie initiiert Modellprojekte und wirbt Fördermittel ein. Darüber hinaus soll die breite Öffentlichkeit über die Problematik informiert werden. Die dreißig Mitdiskutant_innen in Heiligengrabe sind motiviert aus der Veranstaltung gegangen. Sie haben sich verabredet, Wege für erste Schritte zu blühenden Landschaften zu suchen. Und ich wurde Mitglied des Netzwerks.

 

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