Auswirkungen innerstädtischer Autobahnen auf die Sozialstruktur angrenzender Wohngebiete

StadtautobahnDie Untersuchung‚ Auswirkungen innerstädtischer Autobahnen auf die Sozialstruktur angrenzender Wohngebiete, ist der Frage nachgegangen, ob lärm und emissionsbelastende große Verkehrsanlagen, wie innerstädtische Autobahnen, zu einer deutlichen sozialen Abwertung von angrenzenden Wohngebieten führen und dabei der Entstehung von Problemquartieren Vorschub leisten kann.
Download der Studie (pdf, 2.049kB).

Im Rahmen der Untersuchung wurde eine Literaturrecherche durchgeführt, die zu dem Ergebnis kam, dass keine relevanten Untersuchungen zu diesem Thema vorliegen. In einem zweiten Schritt wurden vorhandene Datenbestände aus Berliner innerstädtischen
Wohngebieten entlang viel befahrener Stadtstraßen daraufhin überprüft, ob die an diesen Straßen wohnende Bevölkerung sozialstrukturell schlechter gestellt ist, als die Bewohner der dahinter liegenden weniger belasteten Wohngebiete. Dies konnte zweifelsfrei
festgestellt werden.

In einem dritten Untersuchungsschritt wurden zwei an Stadtautobahnen gelegene Wohngebiete in Berlin und Essen mittels einer schriftlichen Fragebogenerhebung untersucht. Die so ermittelte Sozialstruktur der untersuchten Gebiete wurden zum einen mit den zugänglichen Daten für die Stadtteile verglichen, in denen die Untersuchungsgebiete liegen. Zum anderen wurden innerhalb der Untersuchungsgebiete die Haushalte, die sehr nahe an der Autobahn liegen (1. Reihe), mit denen verglichen, die etwas weiter entfernt sind (2. Reihe).

Im Ergebnis kann belegt werden, dass die von Stadtautobahnen ausgehenden Effekte in einem deutlichen und signifikanten Ausmaß die Sozialstruktur verändern.

Zentrale Ergebnisse

  • Je näher Haushalte an einer Stadtautobahn wohnen, umso problematischer ist ihre sozialstrukturelle Stellung hinsichtlich des Einkommensniveaus, der Arbeitslosigkeit und des Anteils an armen Haushalten.
  • Diese Unterschiede lassen sich bereits kleinräumig entsprechend der Lage zur Autobahn zuverlässig feststellen.
  • Die Differenzierung zeigt sich auch bei den Einkommensarten: Rentner an der Autobahn haben niedrigere Renten, Berufstätige niedrigere Einkommen.
  • Haushalte in der Näher der Autobahn haben selbst seltener Autos als Haushalte in den umliegenden Stadtgebieten.
  • In die Gebiete ziehen vor allem Haushalte, die eine deutlich unterdurchschnittliche Einkommenslage haben.
  • Je näher die Wohngebäude an der Autobahn stehen, umso schlechter ist der Instandhaltungszustand.
  • Je näher die Wohngebäude an der Autobahn stehen, umso höher ist der Leerstand.
  • Die Mieten sind nicht besonders niedrig. Sie entsprechen knapp dem Mietspiegelmittelwert.
  • Schallschutzfenster sind lediglich in weniger als der Hälfte der Wohnungen der Wohnungen eingebaut.
  • Lärmschutzmaßnahmen können offensichtlich nur einen Teil der Belastungen verringern. Die sozialstrukturellen Folgen treten auch bei den Lärmschutzmaßnahmen auf, die in den hier untersuchten Gebieten vorgenommen wurden.
  • Trotz der von allen Befragten einheitlich konstatierten Belastungen ist die durchschnittliche Wohndauer der Haushalte nicht gering. Je länger die Haushalte an der Autobahn leben, umso stärker arrangieren sie sich mit den Gegebenheiten bzw. umso mehr bleiben solche Haushalte zurück, die sich mit den Belastungen abgefunden haben.

 

Aus dem Fazit:

Ergebnis: Der negative Einfluss von Stadtautobahnen auf die angrenzenden Wohngebiete ist durch die Untersuchung belegt.
Schlussfolgerung: Innerstädtische Verkehrstrassen mit starken Emissionsbelastungen sollten möglichst vermieden werden. In jedem Fall sollte eine genaue Überprüfung der möglichen negativen Auswirkungen auf den betroffenen Stadtteil vorgenommen werden.

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