Klimakonferenz in Paris: Arm, aber öko?

logo ebs cop parisAuch darüber wird in Paris nachzudenken sein: Klimawandel und die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, diese beiden Übel der kapitalistischen Zivilisation haben miteinander zu tun. Wie das? Ich noch immer in Berlin, Sitzungswoche. Kurz vor der Beratung des Antrages der Bundesregierung, bei der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen uns Abgeordneten entschlossen erklärt, warum die "Barbaren" der "teuflischen" IS am besten noch vor Weihnachten mit deutschen Waffen und "Gott hilf" niedergekämpft werden müssen, lese ich einen Policy-Brief der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam.

Die ärmere Hälfte der Welt, also 3,5 Milliarden Kinder, Männer und Frauen sind für nur zehn Prozent der Klimagase verantwortlich, die das Klima derzeit in den Ruin treiben. Auf der anderen Seite der Rechnung stehen die zehn Prozent der reichsten Weltbevölkerung – und die lebt bekanntermaßen in den Industrieländern, also auch in Deutschland. Im Vergleich der fossilen Fußabdrücke treten die Reichsten den Planeten mit Elefantenfüßen, die Menschen des Südens hinterlassen mit ihren Mäusepfoten so gut wie keine Spuren. Wir kippen mehr als die Hälfte von Kohlendioxid auf die Müllhalde der Atmosphäre, elf Mal so viel wie das Armenviertel im globalen Dorf. Die reichsten 1 Prozent sind pro Kopf sogar 175 Mal schlimmere Klimasünder als die ärmsten zehn Prozent.

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Der Verkehrssektor ist der zweitgrößte Klimakiller!

Redebeitrag in der Debatte am 3.12.2015 zum Klimaschutzbericht– SABINE LEIDIG

Es geht nicht um diese oder jene Kennzahl, um ein paar Effizienzpunkte da oder dort, sondern es geht um konkrete sozialökologische Umbauprojekte; wir können nicht so weiter machen. Die Politik ist dafür verantwortlich, unsere Lebensweise in klimaverträgliche Bahnen zu lenken.

Sabine Leidig in der Debatte zum Klimaschutzbericht am 3.11. 2015

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Klimakonferenz in Paris: Frauenfeindliches Klima

logo ebs cop parisDer erste echte Verhandlungstag an der Seine. Nach dem Auftritt der Staats- und Regierungschefs beginnt in Le Bourget die Detailarbeit der Verhandlungsteams. Für Öko-Themen zu streiten ist kein leichtes Brot. Seit über 15 Jahren fahre ich auf UN-Klimakonferenzen. Um danach mit hängenden Schultern und leeren Händen wieder nach Hause zu kommen. Die als »weich« geltenden Umweltthemen werden im politischen Alltag oft uns Frauen übertragen. Auch in der Linken beiße ich bei Ökofragen immer wieder auf Granit.

Dabei wird durchaus mit harten Bandagen gekämpft. Als ich 1994 als Abgeordnete in den Bonner Bundestag einziehe, wird mir als erste Erfahrung mit dem Parlamentarismus die Immunität entzogen, ich hatte zur symbolischen Schienendemontage beim Atomkraftwerk Gundremmingen aufgerufen. Umweltministerin ist damals Kanzlerin Merkel. Im Bücherregal meines Büros im Bundestag steht noch immer unsere Broschüre zum Untersuchungsausschuss Gorleben. Als Atomaufseherin favorisiert die CDU-Frau das Atommüll-Endlager in Gorleben. Schon oft habe ich auf Seite 49 geblättert: »Das Wichtigste aus diesem Gutachten ist aber, dass es keinen Standort in der Bundesrepublik Deutschland gibt, der besser geeignet ist als der derzeitige Standort Gorleben«, log die heute mächtigste Frau der Welt damals in einem SWR-Interview kritische Studien zur Endlagersuche weg. Den Untersuchungsausschuss zum Milliarden-Euro-Grab fast 20 Jahre später sitzt die Kohl-Schülerin gewissenhaft aus. Heute wissen wir immer noch nicht, wohin mit dem strahlenden Erbe, den uns die Atom-Fans in Wirtschaft und Politik hinterlassen haben.

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Klimakonferenz in Paris: Die Mutti der Multis

logo ebs cop parisDer erste Tag der Klimakonferenz ist vorbei, ein Warm-up der warmen Worte. Die Redeliste der fast 150 StaatenlenkerInnen und Regierungschefs ist lang wie ein ofenfrisches Baguette. Kanzlerin Angela Merkel tritt ans Rednerpult. Die Kohl-Schülerin findet sich in illustrer Gesellschaft. Direkt vor ihr hat Ägyptens Putschpräsident Abdel Fattah El Sisi drei Minuten Zeit für Klimaschutz. Direkt nach Merkel gibt Russlands Wladimir Putin das Umweltlämmchen. Nur wenige Minuten davor wollen Barack Obama und Chinas Xi Jinping »anpacken« und die Erde vorm Klimakollaps retten. Alle, einfach alle wollen das Weltklima retten. »Es gibt hier ein breites Einvernehmen darüber, dass wir den Wissenschaftlern folgen und sagen, dass wir die Erderwärmung nicht mehr als um zwei Grad steigen lassen wollen, bezogen auf die Zeit vor der Industrialisierung«, sagt Merkel. »Ich bin nicht gekommen um zu reden, sondern um zu handeln. Die Zeit zu reden ist vorbei «, verspricht Obama. Hört sich gut an, oder? Nur: Das sind Zitate aus 2009, von der gescheiterten Klimakonferenz von Kopenhagen.

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